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Leserbrief

Das muss doch wehtun?

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 2. März 2019

Am 16. Dezember im unvergesslichen Jahre 2018 hatte ich im noblen Villenviertel in der Bannholzstrasse in unser aller Residenz etwas abzugeben. Den Wagen stellte ich den Umständen entsprechend so hin, dass es mich wegen der Schneehaufen und dem vereisten Trottoir nicht auf den Latz hätte hauen können. Nämlich so, dass ich beim Aussteigen den Gartengatter erwischt hätte, wenn ich auf dem vereisten Trottoir den Fallheinrich hätte machen müssen. Abzugeben hatte ich um 19.20 Uhr eine alte Nachttischlampe einer Dame, die selber weder in der Lage noch in der Verfassung war, die Glühbirne auszuwechseln. Wieder beim Wagen, entdeckte ich dort einen grünen Zettel, von dem ich erst dachte, ein Grüner wollte Wahlwerbung machen. Tatsächlich stand auf dem Papier, ich hätte den Wagen residenzunwürdig abgestellt und im weiteren Verlauf der Tragödie erfuhr ich dann, dass auf Vaduzer Bürgersteigen 1,5 Meter Platz zu lassen sind. Wahrscheinlich, weil im verschneiten Dezember im Villenviertel haufenweise betagte Millionäre für ihre Rollatoren mit Spurverbreiterung keine Behinderung erdulden. Tatsächlich war am besagten 16. Dezember 2018 sowie in den 1000 Jahren davor kein Schwein, kein Kamel, keine Kuh, kein Nashorn, kein Tobelhocker, kein Wildmannli, ja nicht einmal eine arme Sau und schon gar kein übergewichtiger Multimillionär zu Fuss in der Bannholzstrasse unterwegs, den mein Autöli hätte stören können. Den Gemeindepolizisten, der im Übrigen ja nur seine Pflicht erfüllt, also ein Erfüllender ist, wird er auch nicht gestört haben, aber 100 Franken Busse für 3,2 Zentimeter Parkierungsfehler sind verlockend. Ein ganz verdorbener Bengel, gar eine dramaturgische Figur, der hier denkt, dass er an dieser Unternehmung umsatzbeteiligt sein könnte. Da ich gutmütig der reichen Residenz gegenüber Verständnis zeigen wollte, erachtete ich den Bussgeldbescheid, der mich bald per Post erwischte, als das, was er ist, nämlich ein verfrühter Osterhasenscherz. Aber bei Gott hindere, da hatte ich mich sauber im Denken vergriffen, denn schon bald kam der Witz als verschärftes Einschreiben. Inzwischen hatte sich die Geldstrafe einfach residenzmäs-sig von 100 auf 200 Franken erhöht. Dazu Kosten von 40 Franken sowie Porto von 5 Franken. Summa summarum 245 Franken Verwaltungsstrafbot, unterschrieben von Bürgermeister Ewald Ospelt persönlich. Wobei auffällt, dass seine Unterschrift etwas nach hinten geneigt ist. Also anders, als bei uns Nichtresidenzlern.


Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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