Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Das ultimativ schmerzfreie Paradoxon

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 25. Februar 2019

Jugendliche haben jetzt einen Dreh herausgefunden, die Schule zu schwänzen und dabei Gutes zu tun. Das, was sie tun,ist so gut, dass Strafe für Schwänzen bei Strafe nicht möglich ist. Dazu waren wir früher zu wenig gerissen, noch boten sich uns solch paranoide Schlupflöcher an. Nur einmal hatten wir geschwänzt, weil wir dem Gemeinde-stier durch einen Spalt in der Bretterwand vom Sprungstall bei seiner schweren Arbeit zusehen wollten. Aber wir kamen beim Lehrer mit der Ausrede, dass wir für den Staat kostenlosen Sexualunterricht genies­sen wollten, nicht durch. Also gab es für jeden 12 Tatzen mit dem Ochsenziemer. Das Anschauungsmittel des Unterrichts führte also die Strafe explizit selbst aus und verbannte den Lehrer in die ausführende Statistenrolle.
Die demonstrierenden Jungen wollen mit ihren Aktionen, dass «man» für sie die Umwelt rettet. Auch ihnen hat man eingetrichtert, dass sich die Erde erwärmt, das 2-Grad- Ziel erreicht werden muss und das C02 der Übeltäter ist und dass die Atomkraftwerke abzuschalten und Stein- und Braunkohleabbau zu stoppen ist. Einige von denen schreien bei den Demos so laut und herzzerreissend, dass ihnen der Stimmbruch um ein, zwei Jahre entgegenkommt. Die C02-Stimmbruchfrühgeburt sozusagen. Ihr quengelnder Unmut richtet sich auf «man» müsse endlich etwas tun, wobei dieser «man» wohl die Politik und die globalen Konzerne sind.
Wenn tatsächlich die fossilen Energieträger und in der Folge das C02 einen Klimawandel bewirkten, böte sich den Jungen an, die Finger von diesem Zeug zu lassen. Das heisst: Verzicht auf Containerimportwaren wie Handy, Fernseher, Südfrüchte und Bananen. Weiter Bildungs- und Ferienflugreise, PET-Colaflasche, Tetrapack-Pausendrink, ölbeheiztes Klassenzimmer, Moped ab 14, Auto ab 18 und das bei menschenwürdiger Vollbeschäftigung aller Erdenbewohner. Kommt die Politik den Forderungen nach, muss sie die genannten Dinge verbieten, um den Klimawandel abzuwenden, der ihnen doch die Zukunft zerstört. Also hier haben die Jungen und nicht nur sie, irgendetwas noch nicht ganz zu Ende gedacht.
Das Verlangen an den «man», also an Multis und Diätenpolitiker, lässt sich mit der Klassenlehrergeschichte vergleichen. Bestrafen mit dem Mittel selbst, dem CO2, das auf der einen Seite unseren Wohlstand und unser Leben ermöglicht, zum anderen verboten werden muss. Um also zu sehen, wie lange die Kuh Globus noch Milch gibt, kann ein Blick durch den Spalt in der Bretterwand vor dem Kopf nicht schaden.

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung