Leserbrief

«Entwicklungshilfe hat mehr geschadet als genutzt»

Ulrich Hoch,Grüschaweg 11, Triesenberg | 21. Februar 2019

Zum GIS-Hintergrundbeitrag «Afrikanische Migration: Von der Polarisierung zur Win-win-Situation», erschienen im «Volksblatt» am 18. Feb­ruar:
Teresa Nogueira Pinto versucht als Afrika-Expertin ihre Sicht der Dinge in oben erwähntem Beitrag zu erläutern. Die Bevölkerung in Afrika wird sich bis 2050 von 1,3 Milliarden auf 2,6 Milliarden verdoppeln. 1950 gab es 250 Millionen Afrikaner. Ein Jahrhundert später wird es eine Verzehnfachung der Bevölkerung sein. Gegenwärtig müsste Afrika jährlich 22 Millionen Arbeitsplätze schaffen, um gerade mal die Neuankömmlinge auf dem Arbeitsmarkt zu beschäftigen. Aber nur knapp 2 Millionen Arbeitsstellen werden derzeit jährlich geschaffen. Leider hat auch die Entwicklungshilfe mehr geschadet als genutzt. Die meisten Kriege, die am schlimmsten wütenden Krankheiten, die wild wuchernde Korruption. Kaum eine Schreckenstabelle, in der es die Afrikaner nicht zu einem traurigen Rekord bringen würden. Wo sagenhafte Bodenschatzreserven und günstiges Klima (Kongo, Nigeria, Sierra Leone) ein angemessenes Leben und Wohlstand für alle garantieren könnten, toben und tobten verheerende Kriege und es bereichert sich eine Bande von Schurken auf unverschämte Weise. Ganz zu schweigen von Ländern wie Simbabwe, das einmal die Kornkammer Afrikas gewesen war, wo jetzt ein Diktator das Land zugrunde richtet. Der Verdacht liegt nahe. Nahezu alle ehemaligen Drittweltländer, denen es heute gut geht, haben es ohne fremde oder nur mit wenig fremder Hilfe geschafft (Botswana, Ruanda, Singapur, China, Thailand). Hilfe macht lethargisch. Das Problem ist auch, dass Hilfe in Systeme fliesst, die schon jetzt nicht funktionieren und dringend reformbedürftig sind. Lang ist die Liste der Afrikaner, die fordern, den Unsinn zu beenden. Sie reicht vom nigerianischen Nobelpreisträger Wole Soyinka zum ugandischen Journalisten Andrew Mwenda oder dem kenianischen Wirtschaftsfachmann James Shikwati – ihre These lautet im Kern: «Ohne Hilfe müssten sich unsere Bonzen um eigene Geldquellen bemühen. Fünfzig Jahre Entwicklungshilfe waren für die Katz!» Es ist an der Zeit, Afrika nicht mehr wie ein Kind zu behandeln und endlich seine Eliten für das Versagen zur Verantwortung zu ziehen, ohne sich ängstlich hinter dem Kolonialismus vergangener Jahrhunderte zu verstecken und diese sicher nicht glorreiche Zeit für jedes Elend in Afrika verantwortlich zu machen. Afrika muss sich selbst aus dem Schlamassel ziehen – die Welt kann, wenn sie wirklich helfen will, nur darüber nachdenken, ob es Möglichkeiten der Entwicklungszusammenarbeit gibt, die letztendlich nicht als «Geschäftsmodell» primär als Ablasshandel dient. Massenmigration aus Afrika wird Europa zerstören und Afrika nicht retten!

Ulrich Hoch,
Grüschaweg 11, Triesenberg

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