Leserbrief

Abzocke und Stillstand

Georg Kieber,Binzastrasse 6, Mauren | 14. Februar 2019

«Was wir an Bevormundung, Gängelung, Behinderung und Abzocke» vom Staat erdulden müssten, löse Frust aus, für dessen Aufzählung der Raum eines Leserbriefes nicht ausreiche, meinte ein Leserbriefschreiber am Montag, den 11. Februar. Demgegenüber: Verkehrslotsen schützen den Schulweg unserer Kinder, bis zum Hochschulabschluss ist deren Ausbildung kostenlos (ein Arzt kostet das Land allein an Universitätsgebühren gegen 300 000 Franken), Kinder mit Beeinträchtigung erhalten heilpädagogischen Unterricht, später geschützte Arbeitsplätze, hochspezialisierte medizinische Leistungen stehen mir zur Verfügung, im Alter sorgt die LAK für meine Wohnung und meine Pflege, Land, Gemeinde und Parteien laden mich ständig zu Meinungsbildungen ein, ich kann frei wählen und abstimmen, ein Viertel der Steuerpflichtigen zahlt keine Steuern, insgesamt mehr als 40 Prozent weniger als 1000 Franken im Jahr.
Dem erwähnten Leserbriefschreiber, der sich ein Abonnement nicht leisten will, ist der Umstand, dass ihm die Bibliothek seine Zeitung nur elektronisch und nicht auch noch auf Papier gratis zur Verfügung stellt, gleich drei empörte Leserbriefe wert. Seine Meinung ist für mich beispielhaft für die Blindheit für unsere luxuriösen Gegebenheiten, die eingefahrene Gratiskultur und die masslos überbordenden Begehrlichkeiten. Aber auch in der Politik scheinen neue Vorsteherkandidaten vom frustrierten, fordernden Bürger auszugehen. Auch dazu beispielhaft: «Jetzt ist der Zeitpunkt da, Veränderung zu bringen. Für mich passiert zum Wohl des Bürgers viel zu wenig. Diesen Stillstand gilt es schnellstmöglich zu beenden.» Der öffentliche Raum einzelner Gemeinden wurde in wenigen Jahren vollständig umgebaut, alle haben Festsäle, im Glanz erstrahlen renovierte Kirchen, Schulhäuser, Turnhallen, Hallenbäder, Tennis-, Fussballplätze, mit zwei Dritteln öffentlicher Gelder wurden Obstgärten zu Bauplätzen erschlossen, so dass in den Dörfern mehr Bauvisiere als Bäume im Wald stehen. Alvin Toffler («Der Zukunftsschock») erkannte schon vor vielen Jahren, dass der Mensch ständige Veränderungen, die Beschleunigung aller Lebensdinge, die immer kürzeren Bindungen zu Menschen, Beruf und Dingen nicht ohne Schaden auf sich nehmen kann. Ich fürchte, dass die entstehenden Räumlichkeiten auf Gaflei die Antwort sind auf den erwähnten Frust meines Mitbürgers und die versprochenen Veränderungen von Vorsteherkandidaten.

Georg Kieber,
Binzastrasse 6, Mauren

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