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Leserbrief

God save die ungewisse Herkunft

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 8. Februar 2019

«God save the Queen» ist seit ihrer Uraufführung im Jahre 1743 die Nationalhymne Grossbritanniens. Henry Creys behauptete, sein Vater Heinrich hätte die Melodie komponiert. Tatsächlich blieb und ist der Ursprung der Melodie bis heute unklar, weil seiner Behauptung der Beweis fehlte. Die vierte von Georg Friedrich Händel komponierte Krönungsmotette (Coronation Anthems) beginnt mit derselben Melodie, die auch Liechtenstein seit 1850 mit dem Text «Oben am deutschen Rhein» und ab 1963 «Oben am jungen Rhein» singt. Die Schweizer Nationalhymne hatte bis 1961 dieselbe Melodie und im Text «Rufst du mein Vaterland» und die deutsche Kaiserhymne von 1871 bis 1918 als «Heil dir im Siegerkranz». Zuvor war es von 1795 bis 1871 die Preussische Volkshymne. Auch die Zaren, sowie andere Fürstenhymnen verwendeten die damals sehr beliebte und bekannte Melodie. Die Zaren Russlands von 1816 bis 1833. Da Georg Friedrich Händel, geboren 1685 in Halle Saale, die Melodie schon 1727 komponierte, kommt unmissverständlich und mit Bestimmtheit am ehesten er als geistiger Vater und Erschaffer für die Melodie all dieser Hymnen infrage.
Aber darum geht es ja nicht, Herr Hansrudi Sele. Es geht eher darum zu erkennen, dass Liechtenstein vor der Einführung der Hymne doch wohl eher mit der deutsche Sprache, dem deutschen Geist und dem deutschen Kaiserreich, denn mit dem damals sehr fernen und unbekannten Grossbritannien verbunden war. Die enge Verbundenheit und die Liebe zum deutschen Reich wären uns ja so in den 1940-Jahren fast zum Verhängnis geworden, wie manche von uns noch schmerzlich in Erinnerung haben. Der ursprüngliche Text «Oben am deutschen Rhein» legt Zeugnis darüber ab, wie tief und innig diese Eintracht doch war. Reste davon finden sich heute noch in manchen Köpfen. Zudem ist anzumerken, dass diese damals beliebte Melodie in ganz Europa und bei jeder «Hundsverlochete» gepfiffen und gespielt wurde. Und dass der Historische Verein nicht einmal weiss, wann diese Hymne zu uns kam, gibt ihm auch nicht gerade ein gutes Zeugnis. Ich war am Sonntag auf dem Wildschloss, einer Burg, von welcher man weiss, dass man gar nichts weiss. Da habe ich mir auch gedacht; hoffentlich wissen wir, dass wir nichts wissen. Und auf Unwissenheit eine wunderbare Nationalhymne in den «Sauaköbel» werfen, nur weil der Zeitgeist dem einen oder anderen in den Hintern geschissen hat, solle die Queen absegnen. Heimatverbundene Liechtensteiner wird man damit aber kaum begeistern.


Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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