Leserbrief

Sehr geehrte Frau Böhler,

Gisela Biedermann,St. Annagasse 4, Vaduz,und Margrit Gassner, St.... | 28. Januar 2019

mit einigem Ärger habe ich Ihre Berichterstattung plus Kommentar zum Geburtstagsmarsch im «Volksblatt» vom 25.1. gelesen. Ich frage mich, wo Sie gelaufen sind, dass Sie zu solchen Schlüssen kommen? Auf unserem Weg vom P.K.-Platz bis zum Scheidgraben war eine fröhliche und lockere Stimmung, ob Schüler oder Erwachsene. Man unterhielt sich, ob man sich kannte oder nicht, die ganze Atmosphäre vermittelte ein wunderbares Gefühl der Zusammengehörigkeit – auch äusserlich durch das «Meer» von blau-roten Mützen mit der weissen Bommel, das vor einem her «wogte», wenn der Weg bergauf oder bergab ging und man die Schlange der Wanderer weithin überschauen konnte. Ihr Bericht zeugt von einer völligen Verkennung der Aufgaben der verschiedenen Akteure dieses Tages. Jeder konnte sich zu diesem Marsch anmelden, 900 Personen haben das auch getan. Und für die Übrigen, die z.B. wegen Behinderung, Krankheit oder weil sie arbeiten mussten, nicht mitlaufen konnten oder keine Lust hatten, wurde eine gute (!) fotografische und filmische Dokumentation erstellt.
Selbstredend, dass dieses Jahrhundertereignis auch für unsere Nachkommen in geeigneter Form festgehalten wird! Die vielen Schüler werden das ganz sicher als ein besonderes Erlebnis in Erinnerung behalten. Gerade die verschiedenen Aufgaben, die in den einzelnen Gemeinden zu Liechtensteins Geschichte zu lösen waren, trugen zu einem Gefühl der Zusammengehörigkeit bei, da man sie GEMEINSAM gelöst hat. Von einer «inszenierten Einigkeit», wie Sie es nennen, kann kaum die Rede sein. Auch wenn wir die Licht-installation am Schluss des Marsches 2 Mal geübt haben: das Zusammenlaufen der Unter- und Oberländer am Scheidgraben in diesem blau-roten Lichtermeer, den Landesfarben, war einfach ein tolles Gefühl! Und von wegen «Feierlaune im Keller»: uns hat die Kälte zwar auch zugesetzt; aber am 23. Januar ist das völlig normal und wir waren darauf vorbereitet. Im Übrigen gab es ein Zelt zum Aufwärmen.
Und zu den «getrennten Feierlichkeiten», die Sie als «weiteres Zeichen der Entfremdung» darstellen: jedes grosse Ereignis verdient eine gebührende Würdigung. Wenn die amtierenden Bundespräsidenten unserer Nachbarstaaten uns die Ehre geben, gehört dazu eine angemessene Feier. Wir Marschteilnehmer haben zeitgleich unseren Beitrag zur Würdigung dieses Tages geleistet; eine Gruppe ging zum Schluss in den SAL auf die Bühne, stellvertretend für die 900, die drinnen kaum Platz gefunden hätten und eh viel lieber gewandert sind. Wir sind in Wanderkleidung und mit unseren Mützen den ganzen Abend dort geblieben und haben mit den Krawatten- und Festkleidungs-Trägern gemeinsam gefeiert – und jeder hat sich gefreut! Man kann eine «Kluft zwischen Politikern und Bürgern» auch durch solche Kommentare medial heraufbeschwören, wo keine ist. Ihre Verantwortung als Journalistin ist eine andere.


Gisela Biedermann,
St. Annagasse 4, Vaduz,
und Margrit Gassner,
St. Markusgasse 27, Vaduz.

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