Leserbrief

Die Ängste der Bevölkerung

Karin Jenny,Under Rüttigass 5, Vaduz | 10. Dezember 2018

Es würde mich interessieren, wer, wann, wo und vor allem wie eruiert hat, dass es diese berühmten Ängste in der Bevölkerung gibt. Ängste, wovon ich bisher nie was spürte – die Bevölkerung Liechtensteins zeigt sich bisher relativ entspannt, von einigen Ausreissern abgesehen. Diese Ängste werden herbeigeredet und dazu leistete das «Liechtensteiner Vaterland» mit seiner «Umfrage» Grundlagenarbeit. Sag ja oder nein zu einem Thema, von dem du keine Ahnung hast. Gleich drauf kamen die Leserbriefe, die «Horden über unser Land herfallen» sahen.
Entlarvend aber war ein Statement von Landtagspräsident Albert Frick, das sinngemäss darauf hinwies, nicht am Volk vorbei zu entscheiden, die Ängste der Bevölkerung ernst zu nehmen, «weil uns sonst wie bei der Abstimmung zum Langlaufevent alles um die Ohren fliegt». Soviel zu den Ängsten.
In Tat und Wahrheit ist die Bevölkerung nicht so hysterisch, wie sich dieser Landtag gebärdete. Und dem Landtag gehen eventuelle Ängste am Wertesten vorbei, genauso wie Migranten oder Flüchtlinge. Das Einzige, was erheblich zur Entscheidungsfindung beitrug, ist die Angst, nicht mehr gewählt zu werden. Diese Angst mit jener der Bevölkerung zu verwechseln, ist etwas, was andere bereits vorgemacht haben. Dass der liechtensteinische Landtag immer wieder auf den Entscheid Österreichs und Ungarns hinwies, um zu dokumentieren, wie richtig sie liegen, macht mir mehr Angst als alles andere.
Es wäre wünschenswert, wenn man die Bevölkerung ernst nähme und nicht von FPÖ oder AFD vergifteten Klima ausginge. Es könnte nämlich sein, dass uns ein Nein zum Migrationspakt um die Ohren fliegt. Und was dann?

Karin Jenny,
Under Rüttigass 5, Vaduz

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