Leserbrief

Überbissidioten

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 1. Dezember 2018

Bevor Mathias Ospelt wieder einmal andere ermahnt, sie sollen den Hausverstand benutzen, sei ihm empfohlen, das auch zu tun. Es sei ihm ans Herz gelegt, wenigstens zu versuchen, zumindest den hinteren Teil dieses Doppelwortes anzuwenden. Und bevor er anderen nahelegt, die Geschichte der europäischen und auch liechtensteinischen Be- und Umsiedlung zu studieren, wolle er doch einmal einen Blick auf die Statistik der Weltbevölkerung werfen.
Er schreibt von Türken und Sarazenen, Schweden, Kelten und dergleichen, die uns alle bereichert hätten. Ignoriert aber fleissig, dass noch vor 1000 Jahren dieses Tal menschen­leer war und die Erdbevölkerung gerade einmal eine halbe Milliarde Menschen betrug. Diese hat sich aber alleine in den letzten 100 Jahren auf heute 7,6 Milliarden «verzwölffacht». Er vergleicht da einfach, sehr realitätsfern ein «Trottinett» von Wisa Gloria mit dem neuesten Porsche. Frage also: Was soll denn das?
Währendem westliche Staaten, vor allem die Industriestaaten, Mühe haben, ihre Bevölkerung zu mehren, oder diese nur durch Zuwanderung überhaupt am Schrumpfen hindern können, hat sie sich in Liechtensteins in wenigen Jahren verdoppelt. Tendenz steigend. Liechtenstein hat es also genau wie Afrika nicht nötig, Migration anzukurbeln, denn diese läuft bei uns ja schon auf Hochtouren, währendem sie in Afrika ja gar nicht vorkommt, obwohl dieser Kontinent alles hat und mehr als gross genug wäre, seine Menschen zu ernähren. Wogegen Liechtenstein ohne Schnitzel und Blumenkohl aus dem Ausland schnell einmal verhungern würde.
Ganz dick kommt Ospelts eigener Hausverstand aber mit seiner Erleuchtung daher, wenn er sinniert, dass wir ohne die Türken, die Sarazenen und Kalmücken, die uns frisches Blut gebracht hätten, wir nun alle gezeichnet wären von: «Extremem Überbiss, dicken Unterlippen, Klumpfüssen, Skoliose oder klinischer Idiotie.» Wärmsten Dank, Herr Ospelt, für diese sagenhafte Erkenntnis. Warum gehen Sie mit dieser Ihrer Schlaumeierei nicht nach Japan, nach Island, auf die Färöer, nach Grönland, nach neu Guinea, auf Borneo usw. und erklären all den abgelegenen Völkern, dass sie mangels genug Blut der Türken und Kalmücken, der Schweden und Kelten alle klinische Idioten sind? Oder den Triesenbergern, die in ihrer ganzen langen Walsergeschichte trotz der weltweit einmaligen Dominanz der Blutgruppe Null nicht zu Überbissidioten mutierten. Oder erzählen Sie das den Juden, die mit viel Eigenblut immerhin die höchste Dichte an Nobelpreisen haben.


Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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