Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Fragen zur Grösse Liechtensteins

Mathias Ospelt, Mareestrasse 10, Vaduz | 30. November 2018

Der Landtagsabgeordnete Herbert Elkuch schliesst seinen kürzlich in den Landeszeitungen veröffentlichten Leserbrief «An die Regierung» im Brustton der postfaktischen Überzeugung mit den kategorischen Worten:
«Liechtenstein ist kein Einwanderungsland, schon von der Grösse her nicht. Der Migrationspakt ist deshalb klar abzulehnen.»
Dies wirft mehrere Fragen auf:
1. Meint Herbert Elkuch das tatsächlich ernst?
2. Ab welcher Grösse ist ein Land ein Einwanderungsland? Läuft das nach Quadratkilometern? Nach Bevölkerungszahl? Nach Ausnützungsziffer? Oder nach Grösse des Portemonnaies des Einwanderers?
3. Wer bestimmt überhaupt, ob ein Land ein bzw. kein Einwanderungsland ist? Der Einwanderer? Der Einheimische? Herbert Elkuch?
4. Ist ein Land, das nicht gross genug ist, um Einwanderungsland zu sein, überhaupt ein Land?
5. Und wenn wir schon kein Einwanderungsland sind, weshalb trägt dann unser Land keinen ur-einheimischen Namen?
6. Ist die Ablehnung des Migrationspaktes tatsächlich eine logische Folgerung aus dem vorher Behaupteten? Oder ist da bloss der Wunsch der Vater der Logik?
Ich sehe es so: Wer sich nur ein kleines bisschen mit der Geschichte unseres Landes auseinandersetzt, der sieht relativ rasch, dass das Gebiet des heutigen Liechtensteins schon immer ein Durchzugs- und damit auch Einwanderungsland war. Kelten, womöglich Semiten, Römer, Alemannen, Walser – und damit Familien wie Ospelt und Schädler –, Sarazenen, Franzosen, Schweden, die Familie Elkuch im 17. Jahrhundert sowie weitere Menschen aus den direkt umliegenden Regionen, später auch Italiener, Türken, Spanier, Weissrussen und und und zogen munter den Oberrhein herauf und herunter und blieben entweder hier oder liessen uns frisches Blut als Gastgeschenk zurück. Und das war und ist nach wie vor notwendig, gerade WEIL dieser Flecken Erde, den wir unsere Heimat nennen, eine kleine Grösse aufweist! Nicht auszudenken, wie sich unsere «Nation» heutzutage der Welt präsentieren würde, hätten wir jahrhundertelang niemand anderen als uns selbst an uns herangelassen: Gezeichnet von extremem Überbiss, dicken Unterlippen, Klumpfüssen, Skoliose oder klinischer Idiotie! Kurzum: Einwanderungsland zu sein, ist für ein kleines Land wie das unserige eine existenzielle Notwendigkeit! Wann dann diese Notwendigkeit ausreichend erfüllt ist, ist wiederum eine andere Frage.
Drum bitte, Herr Elkuch! Ein bisschen mehr Landeskunde und Hausverstand! Sonst wird das eine ziemlich langatmige Landtagssitzung zum Thema Migrationspakt!

Mathias Ospelt, Mareestrasse 10, Vaduz

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung