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Leserbrief

Die Eigenheiten von Abstimmungen

Stefan Kemnitzer,Am Berg 3, Ruggell | 28. November 2018

Wieso sind Abstimmungen immer mehr von der «Gewinner-Verlierer-Symptomatik» geprägt? Weshalb genügt es den Abstimmenden nur die Wahl für sich treffen zu können, zu den «Ja- oder Nein-Sagern» zu gehören? Warum ist es für einige Menschen so wohltuend und so befriedigend, einige Stunden und Tage in dem Gefühl zu baden, mit ihrem «Ja» oder «Nein» etwas «Wichtiges» und «Bedeutendes» erreicht und getan zu haben, für das man selbst kaum einen Einsatz zu leisten gebraucht hat, – fast so «bequem» und «gefahrlos» wie bei Facebook seine Likes oder bei Twitter seine Posts abzusetzen? Bei einigen Experten würden Antworten kommen, die irgendwie in Verbindung mit unserer «Leistungsgesellschaft» und dem Verständnis von «Erfolg» stehen.
Okay, ich nehme das mal so zur Kenntnis! Wenn dem so ist, wieso zahlt man dann den «Gewinnern» der «Tour de Ski»-Abstimmung nicht aufgeteilt die «Siegprämie», die die Athleten in Vaduz erhalten hätten, oder wie wäre es, zumindest mit einem T-Shirt mit dem Aufdruck «Finisher», wie bei den gros­sen City-Marathons, als Zeichen, dass sie ihr Ziel bei dieser Abstimmung erreicht haben. Und dann gibt es noch die circa 5000 stimmberechtigten Menschen, die nicht zu der «hohen» Wahlbeteiligung beigetragen haben. Kann es sein, dass einige davon den «Zirkus» durchschaut haben und für sich in ihrem Leben entschieden haben, nur eine «echte» Wahl zu treffen. Nicht die Wahl zwischen Schwarz und Weiss oder Pest und Cholera. Auch nicht die Wahl, welche Art von Kaffee sie bestellen oder welche Art Farbe ihre Schuhe haben, die sie tragen. Gibt es diese Menschen denn überhaupt unter diesen circa 5000, die die Experten oder wer auch immer schnell mal als «schweigend» oder «nicht systemrelevant» stigmatisieren und/oder einfach ignorieren?! Vielleicht fühlt sich das Liechtenstein-Institut sportlich herausgefordert, Licht in diese «Black Box» zu bringen und Erklärungsversuche zu liefern, wieso, weshalb, warum diese Menschen die Wahl getroffen haben, nicht «Ja» oder «Nein» zu sagen.
Das Leben könnte ja so spannend und aufregend sein, auch ohne Grossevents – und wer das nicht so empfinden kann, der wartet einfach auf die nächste Abstimmung!

Stefan Kemnitzer,
Am Berg 3, Ruggell

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