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Leserbrief

Tortour de Rost

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 28. November 2018

Ungefähr zehn Jahre muss ein einfacher Arbeiter schuften, um 800 000 Franken zu verdienen. Um so viel Geld zu sparen und auf die hohe Kante zu legen, etwa sagenhafte hundert. Dass so ein grosser Betrag für unsere Sportgrössen nur Münz und Peanuts sind, lässt tief blicken. Keine Hochachtung vor dem Geld und eine einzige Beleidigung an Erdnuss und Arbeiter ohnehin. Wird irgendwo ein Fussballspiel oder ein Skirennen abgehalten, wird Energie verschwendet, dass es nur so knallt. Tausende Autos fahren weite Strecken, nur um einen Ball rollen zu sehen – oder sie fahren noch weiter, um zu sehen, wie einer den auch noch künstlich beschneiten Hang hinunterfährt. Fliegen die Mannschaften zu den Rennen, wird gegenüber dem Erfolg und dem infrage zu stellenden Nutzen der Energieverschwendung in ganz grossem Massstab gehuldigt. Lässt man auch noch das C02-Geschwätz zu Worte kommen und unsere Vision, die Erderwärmung zu stoppen, ist das Ganze ein einziger Hohn. Diese grandiose Unvernunft und dem Verbrechen an Mutter Erde mit einigen, für ein paar Tage abgegebenen Führerscheinen wieder wettmachen zu wollen, ist schlichtweg eine Frechheit. Und die Frage steht im Raum, für wie dumm hält man den Bürger eigentlich? Wenn Bewegung an der frischen Luft, Geist und Körper gesund und glücklich machen, fragt man sich, wozu man unbedingt für jedes geschossene Tor diese riesen Geld- und Energiemaschine anwerfen muss. Wieso können unsere Sportstare nicht jeweils zu den Anlässen laufen? Wir können doch nicht dauernd jammern, dass sich die Erde erwärmt und die Klimakatastrophe unabwendbar ist und dabei herumsauen wie die Berserker.
Geradezu mulmig wird es einem, wenn der LSV-Präsident in die Zeitung hinein schreibt, dass man die schweigende Mehrheit nicht erreicht habe. Und das bei einer Stimmbeteiligung von 70 Prozent. Wo wäre denn da noch die schweigende Mehrheit? Es dünkt, das komplizierte Verfahren der Prozentrechnung mit dazugehörender Wahrnehmung und Einbettung in den urbanen Hausverstand ist mit dem Breitensport nicht in Einklang zu bringen. Dagegen kann man das den anderen Gemeinden gegenüber eher knappere Nein der Triesenberg einigermassen verstehen und die wimmernde Trauer der Walser mitfühlen. Denn die vielen Transpörtler dort oben sehen sich nun einer Verdienstmöglichkeit beraubt. Vor allem, nachdem von Zukunftsforschern das Skifahren als Schnee von gestern ohne Zukunft prognostiziert wird und somit die Skilifte «uberdinna» einer eher rostigen Zukunft entgegensehen müssen.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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