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Leserbrief

Stellungnahme des Netzwerks für Entwicklungs- zusammenarbeit

Eine Stellungnahme der folgenden Mitgliedsorganisationen des Netzwerks für... | 28. November 2018

Neben der Klimaveränderung gehört Migration zu den drängendsten politischen Themen unserer Zeit. Ein Blick auf die Leserbriefe zeigt, wie viele Emotionen beide auslösen und wie weit die Meinungen auseinandergehen. Das Errichten von Zäunen und Mauern rund um Auffangzentren und entlang von Grenzen sind Ausdruck von Angst und Ohnmacht im Umgang mit einem Phänomen, dem aber nur global wirksam begegnet werden kann.
Was oder wer sind Migrantinnen und Migranten? Es sind zum Beispiel die Vielzahl von Menschen aus Liechtenstein, die vor 100 oder mehr Jahren aus wirtschaftlichen Gründen nach Amerika auswanderten. Es sind die ausländischen Familien, die wir nach dem Zweiten Weltkrieg gezielt nach Liechtenstein geholt haben, weil wir ihr Know-how für unseren wirtschaftlichen Aufschwung brauchten. Es sind die Menschen, die bei uns arbeiten und die sich rund um Liechtenstein angesiedelt haben, weil wir ihnen kein Aufenthaltsrecht geben. Und es sind die Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner, die im Ausland studieren, arbeiten und leben. Ja, auch die wenigen Flüchtlinge und Asylsuchenden, die es aus Krieg, Elend und Armut zu uns schaffen, gehören in die Kategorie der Migranten.
Als Hilfswerke mit engen Kontakten zu Organisationen und Menschen des Südens ist es uns wichtig, dass endlich die von Gewalt und Armut betroffenen Menschen ins Zentrum gerückt werden. Auch Liechtenstein muss dazu beitragen, dass die Menschen in ihren Herkunftsländern ohne Armut und in Sicherheit leben können. Und auch wir müssen uns dafür einsetzen, dass Migrantinnen und Migranten im In- und Ausland Schutz erhalten und deren Menschenrechte garantiert werden.
Der «Globale Pakt für sichere, geordnete und geregelte Migration» ist eine Willensbekundung der Staatengemeinschaft, gemeinsam tragfähige, globale Lösungen zu entwickeln, um Wanderbewegungen zu steuern und ordnen. Er ist das Ergebnis eines mehrjährigen Verhandlungsprozesses. Der Pakt beleuchtet auch die positiven Seiten der Migration und beinhaltet Forderungen an die Herkunftsländer. Ihn aus einem Abwehrreflex gegen Fremde und Flüchtende heraus abzulehnen, bedeutet, das Gespräch zu verweigern und eine Chance zu vertun, Migration gemeinsam positiv zu gestalten. In Bezug auf Asylsuchende verpflichtet der Migrationspakt Liechtenstein zu nichts, was nicht bereits jetzt schon menschenrechtlichen Standards entspricht.
So wenig wie Probleme einfach weggehen, wenn man nicht darüber spricht, so wenig nimmt die globale Migration ab, wenn der UNO-Migrationspakt nicht zustande kommt. Die Unterzeichnung des Pakts ist ein wichtiger Schritt zur Überwindung der Ohnmacht gegenüber dem Migrationsphänomen. Er gibt einen Rahmen, Migration nicht einfach geschehen zu lassen, sondern sie zum Wohl aller aktiv zu gestalten.

Eine Stellungnahme der folgenden Mitgliedsorganisationen des Netzwerks für Entwicklungszusammen- arbeit: Flüchtlingshilfe, Fundación Choco Posible, Lanka-Help, One- Agape – Sport & Education, Pamoja for Transformation, Tellerrand – Verein für solidarisches Handeln, Together – Hilfe für Indien, Direkt- hilfe Nigeria, Hilfefür Bangladesh, Verein für humanitäre Hilfe, VIVAT und auch «Wir Teilen: Fastenopfer Liechtenstein».

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