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Leserbrief

1918–1921, Putsch, Abmachungen, Monarchie

Víctor Arévalo Menchaca,Univ. Prof. Dr. iur.,Auring 56, Vaduz | 23. November 2018

Dr. Wilhelm Beck ersuchte den Landtag am 14. Oktober 1918, eine neue Staatsform zu finden, entweder eine parlamentarische oder eine konstitutionelle Monarchie. Der Landesverweser Leopold von Imhof widersetzte sich und trat am 7. November zurück. Der Landtag ernannte einen Vollzugsausschuss, der die Regierung übernahm. Der Fürst bildete im Dezember eine provisorische Regierung, die Prinz Karl präsidierte. Den Entwurf einer neuen Verfassung legte Dr. Beck im Januar 1919 vor.
Fürst Johann kam 1920 nach Vaduz und traf Dr. Beck sowie Delegierte seiner Partei zwischen dem 10. und dem 15. September. Sie einigten sich über einen Text, schrieben die Ergebnisse nieder und setzten den Kern der neuen Verfassung fest: Der Fürst ernenne die Regierung auf Vorschlag des Landtags, die Regierung könne nur mit dem Vertrauen des Landtags bestehen. Die Souveränität teilten sich Fürst und Volk. Der Landtag billigte die neue Verfassung am 24. August und Fürst Johann akzeptierte diese am 2. Oktober 1921. Eine typisch konstitutionelle Monarchie!
Warum zwang der Landtag das Fürstenhaus nicht dazu, eine strikt parlamentarische Monarchie gutzuheissen? Das Fürstenhaus hätte sich diesen Forderungen nicht widersetzt. Es fühlte sich ethisch für Liechtenstein verpflichtet, aber es entsprach nicht seinen Interessen, sich zum Zeitpunkt zu weigern, eine parlamentarische Monarchie einzuführen, als alle deutschen Monarchien zugrunde gingen. Warum blieb dann der Dualismus in der LV 1921 bestehen? Das Volk hätte keine Verfassung angenommen, welche die Monarchie beseitigt oder den Fürsten in eine Marionette des Landtags verwandelt hätte. Das Volk vertraute vorbehaltlos auf den Fürsten. Dr. Beck schätzte seine Möglichkeiten nüchtern ein: «Wenn wir den Landtag, die Regierung sowie die Richter bestimmen und die Gesetze erzeugen, wenn der Fürst wie seit eh und je fernbleibt, Vögte und Verweser vom Tisch, können wir im Staat schalten und walten. Mag die Verfassungsurkunde lauten, dass die konstitutionelle Monarchie weiter existiere, die Verfassung wird wie jene einer parlamentarischen Monarchie mit einem abwesenden König funktionieren. Wenn wir den Fürsten brauchen, können wir ihn herbeiziehen.»
Die Rechnung ging auf. Seine Partei gewann 11 Mandate bei den Wahlen im Februar 1922. Dr. Beck war nicht darauf angewiesen, mit der Opposition zusammenzuarbeiten. Dr. Beck verfasste alle wichtigen Gesetze selbst, präsidierte den Landtag und den Staatsgerichtshof. Am 15. Juni 1928 zerbricht alles. Der Fürst erklärt den Ausnahmezustand. Warum?

Víctor Arévalo Menchaca,
Univ. Prof. Dr. iur.,
Auring 56, Vaduz

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