Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Gefahr, dass sie herz- und kraftloses Gesäusel wird, gross

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 22. November 2018

Die Sehnsucht gewisser Zeitgenossen nach einer neuen Landeshymne schlägt immer höhere Wellen. Die «Neue» soll dann ja uns, den Ohrenmarkenmenschen mit unserer Geschichte vereinen, verknüpfen und uns Halt und Orientierung geben. Dabei ist die Lage äusserst brisant und spannt sich immer mehr an, weil wir, wenn uns nichts einfällt, von der Historie, noch bevor wir sie überhaupt verstanden haben und sie wirksam werden konnte, glattweg aufgefressen werden. Die Geschichte des Landes hat Grenzen, enge Grenzen sogar und obwohl schon tausendmal aufgeschrieben wird und wird sie nicht grösser. Und wenn man die «goldene Bos», den «Köfferle Schädler» und unsere Armee auf dem Stilfser Joch noch so glorifiziert, uns droht das geschichtliche Ende wenn wir nicht handeln. Wir sind drauf und dran, uns zum funktionalen, rastlos dem Geld hinterher hechelnden, geschichtslosen, raffzahnigen Kolonialherren im eigenen Lande, mitten im sterbenden Europa zu verhuren. Der Blick durch dieses halt- und orientierungslose Gäu mit Namen Liechtenstein macht bange und lässt das Blut in den Adern gefrieren. Falls die globale Erderwärmung nicht zu Hilfe eilt.
Den Rheindamm verstärken, damit wenigstens jener uns nicht auch noch gefährlich werden kann, mag man ja noch verstehen und die Baggerfahrer werden das Startzeichen dazu schon hören, bevor es noch erschallte. Dagegen wird es nicht viel bringen, unseren Bauern eine Bioplakette an die Ohren zu nieten. Weil Bio zu 100 Prozent, wird die Selbstmordrate von Landwirten, die sagenhafte 37 Prozent höher ist als bei anderen Männern, wahrscheinlich auch nicht verringern.
So schön der Kinderreim «hört ihr Kinder, lasst euch sagen, die Uhr die hat schon zwölf geschlagen, die Lämmer sind schon längst im Stall und die Vögel allzumal» auch klingen mag, es ist darüber nachzudenken, ob in ihm nicht jene Herzenswärme und Substanz verborgen liegt, ohne die eine neue Hymne sinnlos, ja geradewegs völliger Blödsinn wäre. Aber da auch wir aus der Geschichte wahrscheinlich nie etwas lernen werden und die Gefahr gross ist, dass die neue Hymne ein herz- und kraftloses Gesäusel werden wird, sollte man diesen tiefgehenden Kinderreim, oder noch besser Textstücke aus «Freude schöner Götterfunken» heranziehen, wie etwa: «Alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt.» Die weitsichtige Umdichtung von Kurt Sowinetz; «Alle Menschen san mer z’wider, i mechts in die Goschn haun», muss man ja nicht einflies-sen lassen. Nicht unbedingt – oder doch?

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung