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Leserbrief

Unser Liechtenstein: Dr Pföh und dr Niiid

Andrin Oehry,Böler 17, Eschen | 23. Januar 2016

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Welche Werte fördern wir, wenn man als Sozialhilfebezieher oder in der Arbeitslosigkeit von unseren Ämtern schikaniert wird? Und man sich gleichzeitig in der Gesellschaft dafür rechtfertigen muss, weshalb man den Job gekündigt hat, der einem die Lust am Leben genommen hat? Wenn sensible Menschen, die unter dieser Last zusammenbrechen, als psychisch krank abgeschrieben werden? Wenn Homophonie, Fremdenhass und Sexismus immer noch ein Thema sind, über das geschwiegen wird? Und man in den gleichen alten Strukturen denkt, welche dem einen als gesetzliches Recht dienen und dem andern ein Stück seiner Freiheit nehmen?
In welche Richtung soll es denn gehen, Liechtenstein, wenn wir auf der Spitze der Pyramide stehen und uns dort oben nur darum streiten, wer in der Mitte stehen darf?
Ich kann es nicht mehr hören, dass unser Land schon immer so war. Das es immer so bleiben wird. Dieses kleine, schöne Land hat mehr zu bieten als nur seinen Wohlstand und seinen sturen Kopf. Wir sollten uns zuerst vornehmen, einander zu respektieren, bevor wir im Ausland um Anerkennung buhlen. Nur weil wir es besser machen, bedeutet das noch lange nicht, dass wir es richtig machen. Wir sind umgeben von den reichsten Ländern Europas. Unsere Grenzen in die Nachbarländer stehen offen und sind abends nicht einmal bewacht. Dennoch macht sich hier so manch einer Sorgen wegen der Zuwanderer oder der Weltwirtschaft, lässt sich von Hass und Neid leiten, anstatt von Stärke und Freude.
Tatsache ist, dass wir zu der Crème de la Crème der reichsten Länder der Erde gehören, aber nicht einmal unsere eigene Meinung äussern möchten, aus Angst, dafür in unserer kleinen Gemeine verurteilt zu werden – weil wir nun einmal immer noch Bauern sind; auf den Feldern, hinterm Schreibtisch, in der Fabrik, auf der Baustelle oder im Landtag. Ein Vogel lernt nicht fliegen, wenn er sein Leben lang in einem goldenen Käfig sitzt. Lasst die Tür doch wenigstens einen Spalt offen, für all jene, die es doch nicht unversucht lassen wollen.


Andrin Oehry,
Böler 17, Eschen

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