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Leserbrief

Bemerkenswerte Tagung an einem idealen Ort

Carlos Collado Seidel,Generalsekretär des PEN- Zentrums Deutschland | 15. November 2018

Das Volksblatt hat dem durch den P.E.N.-Club Liechtenstein organisierten Symposium einen Beitrag gewidmet, der inhaltlich angemessen war, doch nur einen Ausschnitt bot und, wie ich finde, der Qualität der Zusammenkunft nicht zur Gänze gerecht wurde, einer Qualität, die sich zunächst einmal in der Anwesenheit über drei Tage hinweg von in der Welt der Literatur hoch geschätzten und preisgekrönten Kollegen wie Christoph Hein, Catalin Dorian Florescu oder Iso Camartin begründet, die dem Ruf aus Liechtenstein gefolgt waren. Das ist keineswegs selbstverständlich bei internationalen Treffen und angesichts dicht bepackter Terminpläne. Wahrlich ein literarischer Genuss, den Rezitationen zu folgen.
Nicht minder ein Gewinn waren die Gespräche über ein Thema, das uns alle intensiv bewegt. «Der/die/das Fremde» bot den Raum, um nicht allein auf den Umgang mit «den Fremden» einzugehen, sondern vor allem den eigenen Blick auf die Fremdheit zu weiten. In vielschichtiger Weise ging es um die Wahrnehmung von Fremdheit und um die eigene Identität. Wie verändert die Fremde das Bild der Heimat? Kann die Fremde zur Heimat werden? Verliert man damit die ursprüngliche Heimat? Welche Rolle spielt die Sprache als zentrales Merkmal zur Definition von Zugehörigkeit, sei es als Hochsprache oder im Dialekt? Wir erlebten nachdenklich stimmende Beiträge. Und zwar nicht nur jene des aus Kamerun stammenden Lyrikers Enoh Meyomesse, der in Deutschland beheimateten iranischen Bestsellerautorin Siba Shakib oder des rumänischstämmigen Catalin Dorian Florescu. So auch von Iso Camartin durch seine sich von einem kleinen Bündner Tal sukzessive weitende Vorstellung von Heimat. Ein bereichernder fortwährender Perspektivwechsel in einem emotional bewegenden Thema.
Schliesslich erwies sich die Durchführung der Tagung in Vaduz als ein überraschender Glücksgriff. Gerade dieses kleine Fleckchen Erde mit seiner vermeintlichen Überschaubarkeit, in dem klar abgrenzbar zu sein scheint, was fremd ist und was nicht, in dem jedoch eine ebensolche Vielschichtigkeit zutage trat, sei es in der eigenen Sicht nach innen oder in der Auseinandersetzung mit den Hinzugekommenen, wie Evi Kliemand einfühlsam zu vermitteln wusste, bildete den fruchtbaren Boden, auf dem die Tagung stand. Liechtenstein wurde zu einer komplexen Hintergrundfolie für ein Thema, das beileibe allein etwas mit dem literarischen Schaffen zu tun hat. Eine bemerkenswerte Tagung an einem idealen Ort.

Carlos Collado Seidel,
Generalsekretär des PEN- Zentrums Deutschland

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