Leserbrief

Gedanken zum Sonntag – oder: Ein Frontalangriff auf die Meinungsfreiheit

H. Mechnig,Tröxlegass 46, Schaan | 23. Januar 2016

Ein unter dem Titel «Für lesenswerte Leserbriefspalten» unspektakulär auf Seite 4 platzierter «Kommentar» von Doris Quaderer im «Volksblatt» vom 21. Januar hatte es in sich. Bedeutet er doch nichts anderes als die Einführung der Zensur und die Abschaffung der Meinungsfreiheit beim «Volksblatt». «Wir haben … ein paar einfache Grundsätze aufgestellt, die ein Leserbrief zu erfüllen hat», schreibt Frau Quaderer. Diese Grundsätze verlangen dann z. B., dass ein Leserbrief eine «begründete Meinung», eine «nachvollziehbare Erfahrung zum Ausdruck bringt», «verständlich und argumentativ schlüssig»; zu einem «aktuellen Thema», «einer aktuellen Begebenheit»; er darf keinen «diskriminierenden, beleidigenden oder hetzerischen Inhalt aufweisen» usw. Frau Quaderers Forderungskatalog lässt unschwer erkennen, dass es in der Zukunft völlig problemlos möglich sein wird, jeden x-beliebigen Leserbrief abzulehnen und auszusortieren. Irgendeines der vorgenannten Kriterien wird immer passen. Das öffnet der reinen Willkür Tür und Tor. Von Meinungsfreiheit kann auf jeden Fall nicht mehr ernsthaft die Rede sein. Wäre das «Volksblatt» nun ein rein privates unabhängiges Unternehmen, müsste man solche Beschlüsse eventuell hinnehmen. Das ist aber nicht der Fall. Das «Volksblatt» wird in einem nicht unerheblichen Umfang mit Steuergeldern subventioniert. Fast noch schwerer wiegt die Tatsache, dass es als das Parteiorgan der FBP zu verstehen ist, der bei den letzten Landtagswahlen stimmenstärksten Partei in Liechtenstein! Das macht die Ausführungen von Frau Quaderer schlicht zum Skandal. Beunruhigend ist auch, dass es offensichtlich in Liechtenstein eine ansehnliche Gruppe von Personen gibt, die jederzeit in der Lage ist, anonym – quasi aus dem Hintergrund – die Meinungsfreiheit abzuschaffen. Fragen Sie Frau Quaderer, wer das ist. Sie trifft diese Leute in der Bäckerei, im Kino, an Geburtstagsfeiern und – man höre und staune – am Neujahrsempfang auf Schloss Vaduz. Schreck, lass nach!

H. Mechnig,
Tröxlegass 46, Schaan

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