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Leserbrief

Radio L

William Gerner,Quellenstrasse 8, Eschen | 31. Oktober 2018

In der Landespresse kann man lesen, dass der jährliche Beitrag an Radio L erhöht werden soll. Auch grössere Investitionen soll der Staat übernehmen und sogar einen Notkredit bewilligen.
Obwohl ich kein Radio L-Hörer bin, muss ich zu Beginn meiner Ausführungen festhalten, dass ich kein Radiogegner bin.
Aber nicht nur Radio L kämpft ums Überleben, sondern auch die Tageszeitungen. Eine Zeitung musste bereits die Dienstagsausgabe aufgeben. Die Zeitungen leiden unter dem stark rückläufigen Werbemarkt und der veränderten Mediennutzung. Auch die Zeitungsverlage stehen ständig vor grossen Investitionen.
Radio L ist auf dem Werbemarkt ein Konkurrent für die Tageszeitungen. Die Tageszeitungen sollen daher gleich behandelt werden wie das Radio.
Wenn wir die heutige Medienvielfalt erhalten wollen, was in einer Demokratie sehr wichtig ist, müssen wir die Medienförderung generell deutlich erhöhen. Bei der Behandlung des Traktandums «Radio L» sollte man auch grundsätzlich darüber diskutieren, welche Medienlandschaft wir in Liechtenstein wünschen.
Ich bin vor allem dafür, dass die Tageszeitungen überleben. Die Printmedien berichten heute online aktuell und sehr schnell über das Geschehen auch aufs Handy und am Morgen kann man dann noch ausführliche Artikel dazu lesen. Die Frühzustellung, die ebenfalls viel Geld kostet, ist für die arbeitende Bevölkerung besonders wichtig, denn am Arbeitsplatz soll ja nicht Zeitung gelesen und Radio gehört werden.
Der Staat erzielt jetzt wieder Überschüsse. Ich bin der Auffassung, dass der Staat die Reserven nicht mehr erhöhen muss. Da sollte doch neben erhöhten Beiträgen ins Gesundheitswesen und die Sozialinstitutionen auch noch etwas mehr Geld für die Medien übrig sein. Wir alle wollen doch nicht die gleiche Medienkonzentration und das gleiche Mediensterben wie in der Schweiz erleben. Es muss hier noch festgehalten werden, dass es neu­trale Medien nicht gibt, denn überall arbeiten Menschen mit einer persönlichen politischen Orientierung und persönlichen Interessen. Wir brauchen mehrere Medien mit qualitativ gutem Journalismus, damit sich die mündigen Bürgerinnen und Bürger vielfältig orientieren und ein eigenes Urteil bilden können. Fakt ist auf jeden Fall, dass in der heutigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderung sicher kein Medium ohne grössere staatliche Förderung überleben wird.

William Gerner,
Quellenstrasse 8, Eschen

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