Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Die Gunst des Unkrauts nutzen

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 18. Oktober 2018

Am ringsten haben es die Roten in unserm Lande. In ihrer Periodika, dem Bürger seine Synapsen einzulullen und auf ihre Wahlzettel zu locken, kramen sie im Vertrauen auf sein Betroffenheitsvermögen, ihren Wilhelm Beck, Gottvater unserer Demokratie und Zuchtmeister der Monarchie, aus der Kiste. Oft seitenlang, Fragen und Antworten gekonnt in höchster Eintracht zusammengeschustert, muss der gute Hälm jenen Mythos verkörpern, der dem Gassenhauer: «Roti Lüt hon sieba Hüt und konn ned to wiea ander Lüt» innere Reife verleiht.
Bei Schwarz, Weiss, DU und Farblos fehlen solche Lichtgestalten, ohne die ein Fortkommen recht unsicher erscheint, ja geradezu zum Scheitern verurteilt ist. Der Griff auf ausländische Mythen erfolgt, wenn überhaupt, immer nur zaghaft. Das hat damit zu tun, dass die Verwendung eines Ausländers gründlich in die Hosen gehen könnte. Man stelle sich nur vor, unsere Weissen Beutelschneider würden uns mit Dogmen eines berühmten Sozialisten überschütten, uns damit die Taschen ausrauben, um dann den Raub in ihre eigenen Säcke zu stopfen. Doch welchen nehmen? Einen Frühsozi wie Fourier, einen späteren wie Engels, oder gleich den Karl Marx mit dem dicken Bart? Schon gleich gar nicht geht natürlich einen Nationalsozialisten auch nur andenken, obwohl in Wirk und Werk aus sozialistischer Sicht nicht zwingend ein Unguter.
Und so wird uns unsere Kleinheit zur eigenen Falle schlechthin. Denn ausser dem Willi lässt sich keiner finden, welcher die dem Liechtensteiner innewohnende Kraft zu dauerhaftem Glück mystifizieren könnte. Rheinberger vielleicht? Nein; der hat zu laut Musik gemacht. Peter Kaiser geht auch nicht, weil das Kloster Disentis stülpte ihm den Mantel eines Beichtvaters über. Kommt damit ja auch nicht recht infrage.
In erfreulichem Zustand befindet sich hingegen der Verein Hoi Quote, obwohl die Weiber im Lande sich auch in 300 Jahren noch keine Wilhelmine erschaffen konnten. Noch vor 50 Jahren trotteten sie mit Kopftuch, um das Haar zu schützen, und einer Hacke auf dem Buckel brav ins Feld hinaus, um den ganzen Tag zu jäten. Wer glaubt, dass sie dadurch keinen wichtigen Beitrag für unser Land geleistet hätten, irrt sich gewaltig. Denn ohne sie wären wir im Unkraut schlichtweg verreckt. Darum bietet es sich an, zu 300 Jahre Liechtenstein eine monumentale Bronzestatue «Jäterin mit Kopftuch und Hacke» als Dank und als Quotenmythos zu erschaffen. Andrerseits: Das Casino Schaanwald vermeldet auch eine sehr hohe Frauenquote.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung