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Leserbrief

Berichterstattung übers Landesspital

Dr. Marcus Büchel,Schulstrasse 3, Nendeln | 17. Oktober 2018

Dem «Landesspital droht der finanzielle Kollaps», so die Headline auf der Titelseite im «Vaterland» vom 11. Oktober. Die in der Schlagzeile enthaltene Metapher «Kollaps» ist der Medizinsprache entnommen. Wenn ein Kollaps droht, jagt dies dem Betroffenen und seinen Angehörigen Angst oder gar Panik ein und beim medizinischen Personal läuten die Alarmglocken. Ein Kollaps könnte eine existenzielle Bedrohung bedeuten. Und wie steht es bei einem «finanziellen Kollaps»? Der ist – folgt man den Ausführungen des Verfassers des Leitartikels Stephan Agnolazza-Hoop – wie ein körperlicher Kollaps auch existenzgefährdend, denn es «droht dem Landesspital ohne lebenswichtige Finanzspritze das Aus».
Wenn der Leser den Sachverhalt herausdestilliert, geht es im Kern darum, dass die Rechnung 2018 des Landesspitals voraussichtlich mit einem Verlust abschliessen wird. Deshalb ist es dem Spital nicht möglich, Rückzahlungen an einen Kredit, der ihm vom Land vor 18 Jahren gewährt wurde, zu tätigen. Aus diesem Grund soll nun dem Spital der Kredit erlassen werden. Damit würde das Spital wieder über ausreichend Reserven verfügen. Und man fragt sich verwundert: Ist das denn lebensbedrohlich? Schlichtweg wird sich der Landtag also mit dem Erlass einer Schuld befassen. Und somit geht es auch nicht darum, dass «das Land 2,3 Millionen Franken einschiessen soll» («Vaterland»). Zwischen dem Erlass einer alten Schuld und dem Einschiessen von «neuem» Geld besteht ein bedeutsamer Unterschied.
Dass das Landesspital mehr Patienten haben sollte und selber auch gewinnen möchte, ist allgemein bekannt. Ebenso klar ist, dass ein Spital kein Casino ist, das Geld abwirft, sondern vielmehr auf finanzielle Beiträge der öffentlichen Hand angewiesen ist. Somit ist die Aussage nicht falsch, dass ein öffentliches Spital, dem die öffentliche Hand das Geld entzöge, nicht mehr existenzfähig wäre. Das ist aber eine banale Aussage, wie etwa die: Unseren öffentlichen Schulen drohte die Schliessung, wenn das Land sie nicht mehr finanzierte.
Nicht jeder wird den eher komplizierten finanztechnischen Sachverhalt, um den es hier geht, genau gelesen haben. Bei akribischer Lektüre würde sich die effekthascherische Schlagzeile als Papiertiger herausstellen. Der verkündete Kollaps ist reichlich hypothetisch, und der Leser wird auch nicht nachvollziehen können, wieso der Verfasser des Artikels die «aktuelle Lage als dramatisch» apostrophiert. Rational könnte man etwa die Überlegung anstellen, ob es vernünftig gewesen ist, dem Spital im Jahr 2000 ein Darlehen zu geben, statt es zu subventionieren. Wenn man zum Schluss käme, dass man damals eine kurzsichtige Entscheidung getroffen hat, stellte der Erlass der Rückzahlung bloss die Reparatur der damaligen Fehleinschätzung dar.
Um so etwas wie Information oder wohlwollende Sachverhaltsdarstellung scheint es aber ohnedies nicht zu gehen. Vielmehr wird eine spektakuläre Schlagzeile in Szene gesetzt, der im Weiteren dramatische Zwischentöne folgen. Drohendes Unheil wird mit Süffisanz vorgetragen, alles dazu angetan, den Leser aufzustacheln. Ob beabsichtigt oder nicht, ist unerheblich – die Wirkung folgt auf dem Fuss: Patienten werden verunsichert, potenzielle Patienten abgeschreckt (wer will schon in ein Spital gehen, das vor dem Aus steht?), das Spitalspersonal verunsichert, Abgeordnete vor der Abstimmung im Landtag negativ eingestimmt, die Bevölkerung in Sorge und Aufregung versetzt.
Es ist nicht das erste Mal, dass das «Vaterland» in dieser Weise «katastrophiert». Seit einiger Zeit ist zu beobachten, wie sich das «Vaterland» bemüssigt fühlt, Einrichtungen, Organisationen und Projekte schlechtzureden. Geradezu in Hochform läuft das Blatt auf, wenn es sich um liechtensteinische Unternehmungen handelt. Unvergesslich bleiben wird die systematische Desavouierung des Hängebrückenprojekts zwischen Nendeln und Planken zur 300-Jahr-Feier – ein Lehrstück manipulativen Journalismus. Es stellt sich natürlich die Frage, woraus derartig destruktives Schreiben sich nährt. Besorgniserregend ist es allemal.
PS: Frei von Dramatisierung war hingegen der Bericht im «Volksblatt». Dort lautete die Schlagzeile am selben Tag, zum selben Thema: «Regierung will LLS Darlehen in Höhe von 2,3 Millionen erlassen». Das nennt man Information.


Dr. Marcus Büchel,
Schulstrasse 3, Nendeln

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