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Leserbrief

Sind Doppelbürger schlechte Liechtensteiner? (Teil 2)

Helen Marxer, Floraweg 19, Vaduz | 4. Oktober 2018

Statistisch gesehen heiraten 50 Prozent der Liechtensteinerinnen und der Liechtensteiner ausländische Staatsangehörige. Daraus ergibt sich eine hohe Anzahl Doppelbürger/-innen, wahrscheinlich mehr als die 30 Prozent, welche die Volkszählung 2010 zutage gefördert hat.
Ein Verbot der Doppelstaatsbürgerschaft ist inkonsequent, denn es gilt nur für Personen, welche die liechtensteinische Staatsbürgerschaft erwerben wollen. Wer mit einem liechtensteinischen Pass geboren wird, kann ohne Weiteres mehrere Staatsbürgerschaften besitzen. Auch wird er nicht verdächtigt, deswegen ein weniger guter Bürger zu sein.
Es ist vielen Menschen aufgrund der Gesetzgebung in ihrem Herkunftsland nicht möglich, auf die angestammte Staatsangehörigkeit zu verzichten, z. B. in Serbien, Kosovo, Türkei, Griechenland, Marokko, Syrien und in fast allen südamerikanischen Ländern. Anwärter/-innen aus diesen Staaten wird die liechtensteinische Staatsbürgerschaft erteilt, weil der Verzicht nicht möglich ist. Damit hat Liechtenstein schon zahlreiche Ausnahmen bewilligt; Ausnahmen, die im Gesetz vorgesehen sind, weil sonst Personen aus diesen Staaten kein Recht auf Einbürgerung hätten. Aber es zeigt, dass Einbürgerungen ohne Verzicht auf die Abgabe des Passes möglich sind und die Welt deswegen nicht untergeht.
Bei der erleichterten Einbürgerung eines Ehepartners kann die absurde Situation entstehen, dass die Person, welche z. B. die schweizerische Staatsbürgerschaft in die Familie gebracht hat, bei Einbürgerung auf diese verzichten muss, während Gatte oder Gattin und die Kinder den schweizerischen Pass weiterhin behalten dürfen.
Dass liechtensteinische Eheleute, die nur eine Staatsbürgerschaft besitzen und deshalb ihren Kindern keine zweite Staatsbürgerschaft weitergeben können, ist keine Diskriminierung. So wie es keine Diskriminierung ist, nur mit einer Sprache und nicht bilingual mit zweien aufzuwachsen.
Es kann beobachtet werden, dass die Haltung gegenüber Doppelstaatsbürgerschaften liberaler wird. In ihrer Untersuchung «Doppelstaatsbürgerschaft bei Naturalisierung» hat Frau Dr. Martina Sochin d’Elia (Liechtenstein-Institut) 45 Staaten analysiert und sie stellt fest, dass «ein allgemeiner Trend zur Anerkennung von Doppelstaatsbürgerschaften» besteht. Bei 18 Ländern ist die doppelte Staatsbürgerschaft erlaubt, bei weiteren 13 wird sie toleriert und nur bei 14 Ländern, darunter Liechtenstein, ist sie lediglich in Ausnahmefällen zugelassen. Liechtenstein sollte die doppelte Staatsbürgerschaft ebenfalls tolerieren, denn die angestammte Staatsbürgerschaft ist ein Teil der Identität. Sie wird nicht gerne aufgegeben. Ausserdem tut eine zweite Staatsbürgerschaft jenen, die nur eine besitzen, nicht weh.

Helen Marxer, Floraweg 19, Vaduz

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