Leserbrief

Brücken bauen, nicht zerstören

Prof. Dr. Eva Rieger, Fürst-Johannes-Strasse 1, Vaduz | 29. September 2018

In seinem freundlichen Lob des neuen Buches von Manfred Schlapp (Gastkommentar in dieser Zeitung vom 27. September) zitiert Herr Kieber Schlapps Bemerkung, wonach «der Koran in seiner tradierten Form als verfassungswidrige Schrift einzustufen» ist. Genau diese Bemerkung zeigt, worauf gezielt wird: Nicht auf die vorurteilslose Analyse einer Religion, sondern auf deren Kriminalisierung. Wir leben in einer Zeit, in der im Internet tausendfach versucht wird, den Islam und Menschen muslimischen Glaubens als Gefahr darzustellen. Solche angstbesessenen Ansichten sind, wenn man sie genauer anschaut, ohne Quellenbelege, unwissenschaftlich und zum grossen Teil erfunden. Ich empfehle hingegen das Positionspapier der Evangelischen Kirche Deutschlands zum christlich-islamischen Dialog. Man muss Brücken zwischen den Religionen bauen, und sie nicht durch phobische Reaktionen zerstören. Der deutsche Ägyptologe Jan Assmann hat auf die gemeinsamen Wurzeln der Religionen (auch der jüdischen) hingewiesen, ebenso wie das Sibylle Lewitscharoff und Najem Wali in ihrem neuen, lesenswerten Buch «Abraham trifft Ibrahim. Streifzüge durch Bibel und Koran» machen. Nur durch den Dialog, nicht durch die Verurteilung kommen wir voran.
Als ich kürzlich eine Mail von Herrn Schlapp erhielt, in der er mir im ersten Satz «Fäkaliensprache» vorwarf, las ich sie nicht weiter, sondern retournierte sie mit freundlichen Grüssen. Solche erregt-vulgären Bemerkungen deuten auf wenig Kontrollsubstanz, wenn ein eigenes Buch kritisiert wird.

Prof. Dr. Eva Rieger,
Fürst-Johannes-Strasse 1, Vaduz

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