Leserbrief

Die politische Beteiligung von Frauen beginnt bei den Frauen ...

Hans Mechnig,Tröxlegass 46, Schaan | 6. September 2018

... würde ich in Anlehnung an den Titel des kürzlich in den Landeszeitungen publizierten Leserbriefes des Vorstands des Frauennetzes selbigem entgegnen. Natürlich werde ich mich damit nicht sehr beliebt machen (was ich versuche, mit Fassung zu tragen), stellt meine «Schlagzeile» doch gleich zwei zentrale, ideologische Stützpfeiler des Vereins infrage. Der erste klärt die grundsätzlichen Verantwortlichkeiten und lautet: «Schuld an ausnahmslos allen Missständen sind die Männer und was Missstände sind oder nicht, entscheiden von Fall zu Fall einzig und allein wir!» Der zweite ist ebenfalls eher allgemeiner Natur und lautet: «Die Religion der Gleichheit wird im Sozialismus durch Zwangsmassnahmen verwirklicht!» Letzteres drängt sich schon aus Gründen der Effizienz auf, wie es jedermann unschwer einleuchten dürfte. «So wäre es möglich, den Parteien den Auftrag zu erteilen, dass sie Wahllisten, Parteigremien und Arbeitsgruppen paritätisch besetzen und/oder so lange Frauen einsetzen, bis das Ziel eines paritätischen Verhältnisses erreicht ist.» So kann es das Frauennetz dann klar und (an)griffig formulieren. Ein zusätzlicher, immenser Vorteil ist: Damit hat man das Problem delegiert! Und zwar an Institutionen, die sowieso überwiegend aus Männerhorden bestehen. Wir euch abschaffen? Wo denkt ihr hin? Warum sollen wir? Auch den Job, macht mal schön selber! Welche subtile, raffinierte Form der Rache! Das mache man den Damen erst einmal nach! Chapeau! Würde man von eher freiheitlichen Idealen geleitet, müsste man anstatt beispielsweise sagen: «Wir müssen unsere Vereinsmitgliederinnen und die Frauen ganz allgemein davon überzeugen, sie dazu motivieren, dass sie sich für die Nomination auf Wahllisten, in Parteigremien und Arbeitsgruppen zur Verfügung stellen und durch ihre politische Arbeit die Wähler mittel- und langfristig dazu veranlassen, Frauen vermehrt ihr Vertrauen zu schenken.» Wobei dabei dann natürlich, zumindest ansatzweise, so etwas wie Eigenverantwortung mitschwingt und spätestens da dreht es jedem Gleichheitsapologeten und erst recht jeder Gleichheitsapologetin den Magen um, wie wir aus Erfahrung wissen. Ausserdem ist das mit mühsamer Arbeit verbunden und birgt zusätzlich auch noch die Gefahr des Scheiterns. Uff! Das kann man sich nun wirklich sparen. Eben ganz einfach dem Volk flott ein paar zusätzliche Gesetze, d. h. Zwangsmassnahmen aufs Auge gedrückt. Problem gelöst!


Hans Mechnig,
Tröxlegass 46, Schaan

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