Leserbrief

Schaden für alle

Initianten der Medicnova | 3. September 2018

Vor wenigen Wochen ist das geschehen, was kaum jemand für möglich gehalten hat – am wenigsten wir Initianten: In der Medicnova gingen die Lichter aus – und mit ihnen erlosch die grosse, aber real gewordene Vision einer hochqualitativen, patientennahen Gesundheitsversorgung in einem modernen Umfeld. Sicher: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Das ist uns durchaus bewusst. Aber ist jenen, die ihren nicht unwesentlichen Teil zum Scheitern beigetragen haben, auch bewusst, welche Chance hier vertan wurde? Nicht (nur) wir stehen vor einem Scherbenhaufen, nein, es wurde vielmehr dem Gesundheitsstandort Liechtenstein insgesamt ein schwerer Schaden zugefügt. Wie es dazu kam? Der notwendige Neubau des Landesspitals wurde bekanntlich vom Volk abgelehnt. Das Abstimmungsergebnis respektierend, suchten wir ehemalige Belegärzte des LLS nach einer Lösung und begannen eine von privaten liechtensteinischen Investoren getragene Klinik aufzubauen. Dies geschah mit viel zeitlichem und finanziellem Aufwand, aber vor allem mit viel Engagement und Herzblut. Es entstand eine erstklassige Klinik – sowohl was die Infrastruktur als auch die medizinische Versorgung anbelangt. Zu unserem Bedauern ging das LLS von Anfang an auf Distanz und sah wörtlich «keinen Vorteil» darin, dass wir Initianten auch weiterhin als Belegärzte im Landesspital tätig sind. So waren wir gezwungen, unsere allgemeinversicherten Patienten in Grabs zu operieren. Einen OKP-Vertrag, der dies auf einen Schlag geändert hätte, versagte uns die Regierung – sogar in jenen Fachbereichen, die das Landesspital nicht anbietet, wie etwa Kardiologie und Gefässchirurgie. Offenbar war es den Verantwortlichen lieber, dass liechtensteinisches Geld ins Ausland fliesst, als dass Allgemeinversicherte wohnortnah auf hohem Niveau behandelt werden. Aber all das ist Geschichte. Während jeder von uns seine individuellen Herausforderungen bewältigt, steht die liechtensteinische Gesundheitsversorgung insgesamt vor weit mächtigeren Baustellen, denn diese (be-)treffen alle Bürger. Im Zentrum der Misere steht ein Landesspital, das viel (Steuer-)Geld verschlingt, aber das notwendige Niveau doch nicht bieten kann. Und das spüren die Menschen. Die Patienten – aber eben auch jene, die Gesundheitsleistungen erbringen sollen. Und so bedauerlich es für manchen Entscheider im Gesundheitswesen auch sein mag: Ohne Ärzte geht es halt doch nicht. Abschliessend sei betont: Unser Ziel war es, einen nachhaltigen Beitrag zu einer hochqualitativen Gesundheitsversorgung und zur Wertschöpfung im Land zu leisten.

Initianten der Medicnova

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