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Leserbrief

Schaans Grössenwahn: Noch höher hinaus!

Iris Heeb, Atelier für Restauration und Kunstmalen Bahngasse 3, Schaan | 18. August 2018

Bald sollen in Schaan Hochhäuser, eins nach dem anderen, entstehen. Wolkenkratzer für den ländlichen Begriff. Eins soll unmittelbar neben dem Bahnhof auf dem Areal des ehemali­gen «Hotel Post», auch «Pöstle» genannt, gebaut werden, welches dem Erdboden gleichge­macht werden soll, obwohl es zur Geschichte Schaans gehört. So soll also erneut ein ge­schichtsträchtiges Gebäude von Schaan abgerissen werden.
Zu jener Zeit, in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Bahnlinie durch einen Teil des Landes und infolgedessen auch der Bahnhof gebaut wurden, war ein Hotel in unmittelbarer Umgebung sicherlich willkommen. Denn für Reisende, die hier in Schaan dem Zug entstie­gen, war es fast vonnöten, eine Unterkunft in der Nähe zu finden, da es ja zu jener Zeit noch keine Autos gab. Kutschen oder andere Transportmittel gab es auch nur wenige. Der Grösse des Gebäudes ist abzulesen, dass es von Anfang an schon als Hotel gebaut worden war. Auch die Poststelle fand darin Platz.
Dieses ehemalige «Hotel Post» hätte sicher viel zu erzählen. Wie mir meine Mutter erzählte, kehrte sie als kleines Mädchen mit ihren Eltern, meinen Grosseltern, von «enet dem Rhy» bei einem Ausflug ab und zu im Hotel Post ein. Und sie waren Anfang des 20. Jahrhunderts (1909/1910) sicher nicht die einzigen Gäste «von dort drüben». Später, vor ca. 70 Jahren, erzählte ein guter Bekannter meiner Eltern, er hätte ein paar Mal im «Hotel Post» in einem Himmelbett übernachtet, welches es heute sicherlich nicht mehr gibt.
Leider wurde die Liegenschaft dann in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts verkauft und in den letzten drei bis vier Jahrzehnten mehr vernachlässigt als gepflegt. Vieles wurde geändert am Gebäude. So etwa wurden Fenster herausgerissen und mit schwarzen Platten verbarrikadiert, um die Räumlichkeiten für Discos und Barbetrieb zu nutzen.
Die Bausubstanz dieses massiven Gebäudes ist heute noch um einiges besser als ein neues, modernes. Dazumal wurde sehr massiv und gut gebaut. Und das Gebäude hält sicher mindestens nochmals so lange, wie es schon dasteht. Im Gegensatz dazu werden die heutigen Häuser bereits nach 30 Jahren schon baufällig. Nun, etwas Besseres kommt nicht nach. Im­mer ist von Nachhaltigkeit die Rede, aber wenn es um alte, massiv gebaute Objekte geht, wird dies ignoriert und es wird abgerissen, obwohl es saniert werden könnte. Trotz aller moderner Technik ist Sanieren nachhaltiger.
So absurd! Nur weil das Gebäude willkürlich dem Zahn der Zeit überlassen wurde und der Eigentümer sich seinen finanziellen Traum verwirklichen möchte, soll dieses aus dem Ortsbild von Schaan und seiner Geschichte verschwinden, wie schon so vieles hier in Schaan. In den vergangenen Jahren ist hier in Schaan, wie auch in Vaduz, ein Sammelsurium von Gebäuden entstanden. Ein Gebäudesalat von Schachteln, Kisten und Klötzen mit kleinen, grossen, schmalen, langen Löchern. Von Harmonie eines schönen Dorfbildes keine Spur. Schämen sollte man sich, dass man ein schönes altes Haus abreissen lässt, anstatt es zu sanieren.
Mit einem schön renovierten «Pöstle» hätte der Schaaner Kulturweg einiges mehr zu bieten.
Ob sich die vielen modernen Konstruktionen von Häusern rentieren werden, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Es gibt von diesen schon solche, die nach zehn Jahren beinahe zu Ruinen herabgekommen sind, wie z. B. das Landtagsgebäude und seine Umgebung. Der vorherrschende Grössenwahn nimmt kein Ende, aber die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Zum Glück!
Übrigens, über dem Rhein, in Buchs, war vor ca. zwei Jahren die Errichtung eines Hochhauses auf dem Areal «Chez Fritz» geplant; aber es kam zu einer Abstimmung und die Buchser haben es abgelehnt. Hier in Schaan haben die Bürger nichts zu sagen oder werden befragt?
Leider gibt es nur wenige Bauherren und Architekten, die ihre Projekte der Umwelt anpassen wollen. Die Anpassung an die Umgebung scheint für viele zu anspruchsvoll, sodass sie bei ihren Bauvorhaben viel lieber allzu Modernes und Abstraktes vorziehen, ohne dabei die Umgebung und Landschaft zu berücksichtigen.
Hochhäuser passen nun einmal nicht in unsere so schöne, einzigartige Landschaft. Aber das ist so manchen egal. Nur das liebe, aussichtsreiche Geld hat seinen Vorrang.

Iris Heeb, Atelier für Restauration und Kunstmalen Bahngasse 3, Schaan

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