Leserbrief

Excelröte

Jo Schädler, Eschner­strasse 64, Bendern | 13. August 2018

In regelmässiger Rhythmik muss der, ob er will oder nicht, zu den Anlässen jeweils aufgeschreckte Liechtensteiner, in die für ihn präparierten Ansprachen zum Fürstenfest, zum neuen Jahr, zu bald 300 Jahren Zufallserscheinung malträtierenden Schalmeiengesänge aus Fürsten-, Regierungs- und Gemeindehäusern eintauchen, aus dessen Oberflächenglanz es kein Entrinnen gibt. Die soliden, wenn gesprochen Worte, wenn geschrieben Buchstaben, erzwingen unabdingbar ein hohes Mass an Betroffenheit und demütigem Einverständnis.
Wer wollte sich auflehnen, wenn da an die Generationengerechtigkeit, den Bürokratieabbau, die Bildung angemahnt wird? Oder die Jugend, welcher man auf ihren Schulbänken Verantwortung für die Alten eintrichtern und eindressieren müsse? Wer will einen Radau veranstalten, wenn ihm die Bürde und die ganze Verantwortung für die Umwelt, die nun vor uns aller Augen krepiert auf seinen Buckel aufgeladen wird? Wer will seine Sachen packen und einfach verschwinden, wenn ihm eingebläut und eingehämmert wird, dass es für sein Heimatland keine Zukunft gibt, wenn der Rhein nicht aus seinen Fesseln befreit und endlich eine S-Bahn gebaut wird? Wer wird sich der Depression hingeben, wenn er nicht das nötige Starkapital hat mit den visionären Regierungs- Blockchainversprechen sein Vermögen zu vertausendfachen? Wer wird in sich zusammenfallen, wenn ihm der Staat eine Baubewilligung für eine «Schiterbieg», einen Foodtrack, oder einen Hasenstall als Fürsorge für sein Lebensglück aufgeschönt wird?
Und dann, weil Petrus im Himmel ein paar Wochen lang vergessen hat, seine Spritzkannte zu betätigen, wird über das auch geologisch ausgedorrte Land ein Feuer- und Befeuerungsverbot ausgesprochen, das dem Feuerwerk, uns aller Nabelschnur zu Heimat, zu Monarchie, zu Vaterlandleuchten grad auch noch den Garaus macht.
Aber es gibt Hoffnung, doch nicht ganz in der Dunkelheit weiter dahin vegetieren zu müssen. Wie die Morgenröte standen im «Vaterland» auf der Seite der Vaterländischen Union Bonmots der Hoffnung und der Zuversicht. Es scheint, dass wir endlich ausgehungert haben und die Politik uns nicht mehr länger mit Heilsversprechen, die sich niemals erfüllen an der Nase herumführen und uns alle noch länger für Tötteli halten wird. Da stand über Regierungschef Hasler, der eine Politik mit der Excel-Tabelle gestalte: «Diese gallische Angst, dass einem jeden Moment der Himmel auf den Kopf fallen könnte, unterstreicht seine Politik der Mutlosigkeit.» Aha, Excel-freie Morgenröte?

Jo Schädler, Eschner­strasse 64, Bendern

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