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Leserbrief

Historisches

Hans Frommelt, Gapont, Triesen | 23. Juli 2018

Paul Vogt betrachtet in seinem Beitrag im Zusammenhang mit der Volksblattserie: «150 Jahre Bodensee-Geschichtsverein bzw. Alpinismus in Liechtenstein» unter anderem den Bau der Pfälzerhütte ab 1925. In der Zeit von 1925 bis 1945 wurde das «Bergsteigen» in allen Varianten massiv als Propagandamittel für den Nationalismus benutzt. Die Sprüche von damals: «Berg Heil» und der starke Handschlag auf dem Gipfel werden teilweise noch heute gepflegt. Wesentlich gravierender waren die Wortkombinationen: «Edelweiss und Hakenkreuz» oder «Berg Heil – Heil Hitler». Der «Alpinismus in Liechtenstein» war damals keine heile Welt! Das «Bergsteigen», heute spricht man von «Alpinismus», war in der erwähnten Zeitepoche sehr stark mit dem nationalsozialistischen Gedankengut durchsetzt. Die Vergangenheit der Pfälzer Hütte wirft hin und wieder einen unschönen Schatten auf Liechtenstein. So gab es während der erwähnten Periode eine «Sektion Liechtenstein des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins (DÖAV)». Das wurde sogar mit einer Festschrift zur 59. Hauptversammlung des D. u. Ö Alpenvereins in Vaduz und Gaflei gefeiert. Es ging da auch um Antisemitismus. Damals war die Geisteshaltung des Schweizer Alpen Clubs (SAC) grundverschieden zum DÖAV. In den damaligen Landeszeitungen wurde gleichzeitig über den Deutschen Antisemitismus und die Ausgrenzung berichtet, was zeigt, dass man die damalige Dimension im Zusammenhang des «Bergsteigens» bzw. «Alpinismus in Liechtenstein» einfach negiert oder beiseitegeschoben hatte. Der DÖAV wurde nach 1945 als nationalsozialistische Organisation erklärt. Deshalb hat man über die vom DÖAV finanzierten Bergsteigerhütten in Österreich und Südtirol einen Besitzerwechsel angestrebt, wie Vogt erwähnt hat. Mit einem fast totalen Ausblenden dieser unrühmlichen Phase des «Alpinismus in Liechtenstein» produziert man eher Probleme als man diese löst. Im 2012 war im Alpinen Museum München eine Ausstellung mit dem Titel «Berg Heil! Alpenverein und Bergsteigen 1918 bis 1945». Das Ausstellungsbuch hat 638 Seiten. In der Ausstellung wurde mit roten Lettern immer wieder auf Vaduz, auch Gaflei, verwiesen (Den LAV gab es damals nicht, nebenbei erwähnt), ohne darauf hinzuweisen, dass man in Liechtenstein gar nicht so richtig erkannt hatte, um was es geht. Da wurden Vaduz und Gaflei im 2012 nicht wenig gebrandmarkt, obwohl man mit dem damaligen Nazi-Alpinismus in Liechtenstein sicherlich nichts am Hut hatte. Es wird immer wieder Historiker geben, die nichts gelernt haben oder nicht lernen wollen. Dieser Gefahr sollte man sich nicht weiter ausliefern und folglich die Zusammenhänge, warum es einen braunen DÖAV in Vaduz gab, von Historikern untersuchen lassen.

Hans Frommelt,
Gapont, Triesen

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