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Leserbrief

Hut abnehmen oder den Hut nehmen?

Udo Meesters, Hofistrasse 42, Triesenberg | 13. Juli 2018

Das mit Hut ist so eine Sache. Vor dem einen soll man ihn ziehen und der andere sollte ihn besser nehmen. Es ist aber grundsätzlich keine schwierige Sache, sondern eine einfache Einschätzung von sich selbst. Aber gerade in der Politik ist es manchmal nicht so recht einschätzbar, was sich unter dem einen oder anderen Hut befindet. Für den Bürger oft schlecht erkennbar, wer sich, getarnt durch gute Rhetorik, unter diesem Hut befindet. Sehr oft wird der Brüger geblendet und getäuscht.
In vielen Fällen sogar so gut, dass der eine seinen Bürgernachbarn auslacht, wenn dieser dank Weitsicht bereits erkannt hat, wie schwerwiegend die Folgen der Taten des rhetorisch geschickten Hutträgers sind.
Ich jedenfalls ziehe den Hut vor dem Bürger, der das erkannt hat. Ein Politiker, der die Bürger rhetorisch blendet, nicht auf deren Stimmen hört, diese gar ausblendet, der sollte seinen Hut nehmen. Er sollte sich zudem grundsätzlich fragen, ob er sein Können und Wissen am richtigen Platz zum Wohle des Bürgers eingesetzt hat.
Ein Beispiel: Wenn ich mich, ohne jegliche Hintergrundkenntnisse in der Welt der Finanzwirtschaft als Bauer zum Finanzminister wählen lasse (und mein Banker-Nachbarn sich zum Landwirtschaftsminister), dann fliesst eigentlich nur der Geldstrom, mein Monatsgehalt, in die richtige Richtung, nämlich auf mein Konto. Eigentlich wurden wir beide ja vom Bürger zu dessen Wohle gewählt.
Dass in gewissen Bereichen grundsätzlich Missstände durch fehlende Fachkenntnisse entstehen können, ist nicht verwunderlich.
Was das Beispiel besagt: Schön, dass einige im Lande vor mir den Hut ziehen. Schlimm aber ist, das ich mir diesen Hut überhaupt aufgesetzt habe und dann vor lauter Riesenkrempe Missstände nicht frühzeitig erkannt habe, gar nicht an einer Lösung arbeiten konnte.
Naja. Wichtig ist ja vor allem, dass der Bürger brav und still weiterhin dafür Sorge trägt, dass mein Posten für einige Jahre (mindestens aber bis zur nächsten Wahl) finanziell gesichert ist. Und dass der Bürger dank meiner Riesenhutkrempe nicht erkennt, was ich darunter verberge.
Bevor man vor jemandem den Hut zieht, sollte herausgefunden werden, was sich unter dessen Hut befindet. Also «Hut ab» und «Gesicht zeigen», bevor sich der eigene Hut zu einem teuren Schlapphut entwickelt. Die können nämlich Millionen kosten, in diesen Filzhüten ist aber kaum noch erkennbar. Da sollte man doch besser unter manche Schuhe schauen, um zu erkennen, wie viel Dreck sich an den Sohlen befinden. Also «Guten Tag» und «Hut hoch».

Udo Meesters, Hofistrasse 42, Triesenberg

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