Leserbrief

Der Hase kotzt Furzenpusteblumen

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 12. Juli 2018

Des Kaninchens liebste Speise ist das Blatt der «Melchmottla», also der Taraxacum sect. Ruderalia, sprich dem Löwenzahn. Neben «Melchmottla» auch bekannt als «Furzen-, Sau oder Pusteblume». Aber wenn diese Namen alle in Vergessenheit geraten, das ist auszuhalten. Nicht auszuhalten wäre, wenn der neueste Streich der Regierung in Vergessenheit geraten würde, nämlich; die beliebten Streichelgehege an Hasen und Kleintierschauen auf Jahr und Ostermärkten, ab dem 1. September 2018 per Gesetz strengstens zu verbieten. Für die Kinder ist es also in Zukunft nicht mehr möglich, ein «Melchmottlablatt» abzurupfen, um es den Hasen oder Geisslein zu füttern.
Die Gründe für diese historisch bedeutsame Regierungsentscheidung, der gerade noch zur rechten Zeit kommt, um Schaden am ganzen Liechtensteiner Volke abzuwenden, liegen auf der Hand und sie sind tragend genug, in die Geschichtsbücher einzugehen. Denn dieses neue «Streichelgesetz», das die geschundenen Tiere endlich von den qualvollen Streichelstunden durch kleine, äusserst bösartige Kinderhände erlöst, war längst überfällig. Mit ihm zeigt nun die Regierung, was in ihr steckt, wenn man sie nur machen lässt. Und so wie die kleinen Häschen auch erst heranwachsen müssen, muss auch der Mut der Regierung zur Courage und zur Tat erst heranreifen. So ist es nur gut und letztendlich für Has und Geiss und Volk ein Segen, wenn die Regierung erst im Kleinen zu üben beginnt, um dereinst, wenn sie der Sache mächtig und beschlagen genug ist, die Furcht vor dem Versagen zu überwinden, auch an die grossen Brocken zu gehen. Grössere Brocken wie eine Zwerggeiss und ein Chüngel wären zum Beispiel: Landesspital, Krankenkasse, Verkehr. Von Postautos, Radio und Telefon gar nicht zu reden.
Neben diesem Gesetz zwingt uns die Natur ja schon auf, dass wir unsere Kinder nicht verführen dürfen, Hasen zu züchten und Geissen zu hüten, sondern sie an der Universität in Innsbruck zu guten Liechtensteinern bilden lassen. Sie sollen etwas studieren und den Kopf stolz hoch oben auf dem Schluckrohr tragen, damit sie, wenn einst erwachsen, mit grosser Hochachtung auf das Schaffen ihrer Väter, also uns, die Hasenzüchter blicken kann. Es war ja nicht nur der grosse Wilhelm Beck, der das Land zu dem machte, was es heute ist. Es ist auch die jetzige Regierung, mit ihrem geraden Blick nach vorne, stets das Wohl von Hasen, Geissen und Bürgern im Auge. Da muss man ihr ein Kränzchen winden und sei es wenigstens aus blühenden Furzenblumen.


Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

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