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Leserbrief

Unbegründete Schreckensszenarien

Herbert Elkuch, DU-Landtagsabgeordneter | 5. Juli 2018

Am 21. Juni im «Vaterland», Folgen und Anpassungsstrategien zum Klimawandel: «Allein in den vergangenen zwei Jahren hat die Temperatur im Alpenraum um 2 Grad zugenommen.» Das ist falsch, das wäre eine Katastrophe.
Die Jahresdurchschnittstemperatur ist seit 1864 um rund 2 Grad Celsius (Stand 2018) angestiegen. Während der Klimawandel einige Grössen markant beeinflusst (zum die Temperatur und Schnee), sind andere Effekte weniger deutlich (z. B. Niederschlag) oder gar nicht klar (z. B. Wind, Gewitter, Hagel). Die Niederschläge haben sich teilweise verändert. Bisher lassen sich noch keine Änderungen im mittleren Sommerniederschlag nachweisen. Die Sonnenscheindauer hat von 1950 bis 1980 deutlich abgenommen. Seit 1980 nimmt die Sonnenscheindauer zu und erreicht wieder Werte wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Es gibt mehr Sommertage, eine längere Vegetationszeit und höhere landwirtschaftliche Erträge. Dafür weniger Wintertage, dies bedeutet tiefere Heizkosten. Das Thema, Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen, im Bericht der Regierung, finde ich gut, unabhängig des Klimawandels. Ein Teil der Entwässerung (Drainagen) ist sehr alt, teils zu tief verlegt. Für Bewässerungen wurde bis heute fast nichts gemacht. Es macht Sinn, den Grundwasserstand unter Kontrolle zu halten.
Im Haupttitel des «Vaterland»-Berichtes: «Hochwasser oder Infektionskrankheiten können drohen.» Das hat mit dem Klimawandel wenig zu tun. Das letzte richtige Hochwasser in Liechtenstein war vor 90 Jahren aufgetreten. Der Niederschlag erhöhte sich zwar in den letzten 128 Jahren um 11 Prozent (Jahresdurchschnitt), aber das ist nicht problematisch. Infektionskrankheiten haben eher mit Reisen, Material- und Lebensmittellieferungen über den ganzen Globus sowie mit Lebensumständen zu tun. Viele Infektionskrankheiten aus der kleinen Eiszeit um 1700, wie Tuberkulose, Kinderlähmung, Pocken, ­Krätze sind bei uns praktisch ausgerottet. Die Übertragung von Infektionskrankheiten wird wohl eher durch fehlende präventive Impfungen, kombiniert mit der Einschleppung aus fernen Ländern, als durch das Wetter, begünstigt.
Die im Bericht der Regierung angeschnittenen Themenbereiche, wie Hochwasserschutz, Rüfeverbauung, Schutzwaldpflege, Austrag von Gülle, Grundwasser, Infektionskrankheiten, Seuchen, Schädlinge, artfremde Pflanzen usw. sind mit oder ohne Klimawandel stets im Auge zu behalten. Vor 50 Jahren wurden noch Kartoffelkäfer abgelesen und Maikäfer gesammelt, um die Ernten zu retten. Zu artfremden Pflanzen war am 1. Juni 18 ein guter Bericht in der «Liewo» von Frau Scherrer.
Es ist gut, wenn die Regierung Anpassungsstrategien und mögliche Entwicklungsfelder im Zusammenhang der Klimaerwärmung auslotet. Angst- und Geschäftemache mit der Klimaerwärmung und Schreckens-Szenarios sind unangemessen. Das Klima kann Liechtenstein kaum ändern, wir müssen uns anpassen. Wir sollten die Warmzeit kreativ nutzen und froh sein, dass die kalte Zeit von früher, mit oftmals komplett zugefrorenem Bodensee (zuletzt 1963), wegbleibt.

Herbert Elkuch, DU-Landtagsabgeordneter

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