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Leserbrief

Unser Liechtenstein: Geht es uns wirklich besser?

Andrin Oehry,Böler 17, Eschen | 22. Januar 2016

Teil zwei von drei

Ich sehe die meisten Liechtensteiner nur in ihren Autos sitzen. Ich selbst sitze auch oft im Auto und frage mich, warum in unserem Landes-Radio kein einziges Mal jemand im Dialekt singt oder regionale Musik gespielt wird. Warum über unsere Gesellschaft nur im wirtschaftlichen Sinne gesprochen wird, aber nicht darüber, wie man sich fühlt – was die Leute neben den finanziellen Sorgen beschäftigt? Ich frage mich, warum es bei uns kaum eine Jugendkultur gibt? Warum die Jugendräume leer stehen, in denen ich mich vor 14 Jahren mit meinen Freunden getroffen habe? Warum kaum eine Bar Live-Musik spielt? Warum niemand mehr aus dem Haus will und ich gleichzeitig von allen Seiten höre, dass sich jeder wünscht, die Menschen gingen offener und öfter auf einander zu? Sa- tire und Gesellschaftskritik gegenüber unserem Fürstentums und unserer Regierung werden nicht geduldet. Und wenn, dann nur in der Fastnachtszeitung.
Welche Kultur fördern wir, wenn ein paar Anzeigen ausreichen, um Festivals zu verbieten und kulturelle Betriebe zu schliessen? Festivals, an denen getanzt und gelacht wird, Bars, die gerade mal eine Nacht im Monat offen haben? Wenn manche, selbst an Silvester, noch vor Mitternacht wegen Ruhestörung bei der Polizei Anzeige erstatten? Gleichzeitig wird mit der Fasnacht geliebäugelt, in der sich ein grosser Teil unserer Gesellschaft zwei Monate lang bis zur Besinnungslosigkeit betrinkt, nur um dann für die nächsten zehn Monate wieder zu verstummen. Was für eine Kultur soll das sein, am Sonntag in die Kirche zu gehen, nur um dann hinter dem Rücken über den zu lästern, der in der Nase gebohrt hat oder beim Rosenkranz eingeschlafen ist – und uns dann von den guten christlichen Werten zu erzählen?

Andrin Oehry,
Böler 17, Eschen

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