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Leserbrief

«Tempo 50» bereits beschlossen – Para-grafen wichtiger als Menschen?

Friedrich von Bültzingslöwen, Dorfstrasse 33, Planken | 21. Juni 2018

Auf Beschluss der Regierung soll die seit 25 Jahren bestehende Ausnahmeregelung für «Tempo 40» auf Dorfstrasse in Planken abgeschafft und der für alle anderen Gemeinden geltenden Strassensignalisationsverordnung von generell 50 Stundenkilometern (km/h) für Dorf- und Gemeindestrassen (Landstras-sen) angepasst werden.
Die Regierung und das Amt für Bau und Infrastruktur gehen offensichtlich von der falschen Annahme aus, dass die Ausbausituationen der sogenannten Landstrassen in allen Gemeinden dieselbe ist. Tatsache ist jedoch, dass die Plankner Landstras-se, also die Dorfstrasse im Gegensatz zu den anderen Dörfern gravierende Unterschiede aufweist. Zum einen ist sie keine Durchgangsstrasse. Zum anderen erfüllt sie nicht die Mindestanforderungen für eine Dorfstrasse. Sie ist durchgehend zu schmal, am Dorfeingang beträgt die Strassenbreite 4,5 Meter (m), an der Haltestelle Egerta 4,5, beim «Menahus» 3,5 (!), beim Gemeindehaus 3,5 und auch vor dem Werkhof 3,50. Das Trottoir ist teilweise ebenfalls zu eng: am Dorfeingang 65 Zentimeter (cm) und an der Haltestelle Egerta 55 cm. Die empfohlene Gesamtbreite für ein Trottoir einer Landstrasse sollte mindestens 1 m betragen.
Eine Untersuchung der Ruhruniversität belegt, dass für 50 km/h innerorts eine Fahrbahnmindestbreite von 5,50 m erforderlich ist. Nach der Klassifizierung des schweizerischen Bundesamts für Landestopografie ist die Plankner Dorfstrasse eine Strasse zweiter Klasse, da weniger breit als 6 m, also keine Hauptstrasse. Nach dem Stand des Ausbaus entspricht sie einer Quartierstrasse.
Eine Auswertung von über 3000 Radarmessungen an verschiedenen Stellen der Dorfstrasse ergab eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 34 km/h. Dieses Fahrverhalten der Plankner Autofahrer belegt ebenfalls, dass die Dorfstrasse in Planken nicht für eine Geschwindigkeit von 50 km/h, sondern für maximal 40 km/h geeignet ist.
Eine Verordnung, die sich nicht nach den örtlichen Gegebenheiten richtet, sondern alles über einen Kamm schert, zeugt von mangelnder Bereitschaft, erst vor Ort zu prüfen und dann zu entscheiden oder – schlimmer noch – von mangelnder Sachkenntnis. Die jetzige Entscheidung von Amt und Regierung ist nicht menschengerecht.

Friedrich von Bültzingslöwen,
Dorfstrasse 33, Planken

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