Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Nous sommes Charly Chaplin

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 18. Juni 2018

Am letzten Feuerwehr-Grossanlass sind zwei Dinge aber bolzengerade in die Augen geschossen. Das erste Ding, respektive das erste Unding war, dass man in den strammen Feuerwehrsonntagsuniformen, welche auch schon das zweite Ding, respektive aber auch das zweite Unding darstellen, man in eben diesen Unformen praktisch keine «Weis­sen», also Leute der Freien Liste finden konnte. Keine in Sicht, keine auf Anfrage. So hoch das Dach des Festzeltes auch war, kein «Weisser» Feuerkämpfer weit und breit.
Zwei, möglicherweise drei Dinge können dafür verantwortlich sein. Erstes ist es dem Weissen Sozialforderling völlig wurscht, oder sogar recht, wenn dem Nachbarn seine Hütte abfackelt. Wurscht, weil im Leben eines Weissen geht es um höhere Werte wie um banale Feuersbrünste. Und recht, weil der dann Mittellose und Abgebrannte braucht dann eben jene Hilfe, welche er zwar von den Weissen auch nicht bekommt, aber die Aussicht hat, vom Dunstkreis: «Es langet för alli», wenigstens tangiert und sogar veralbert zu werden. Der zweite Grund mag jener sein, dass man als Weis­ser nicht in eine schwarze Uniform schlüpfen will und zwar auch dann nicht, wenn diese auch nur einzig den Zweck hätte, bei Festen und ähnlichen Manövern den Feuerwehrmann, also den «Firefighter» vom restlichen Publikum auch dann noch unterscheiden zu können, wenn gegen Festende ein ordentliches Marschieren in der Feuerabwehrbrigade nicht mehr ganz sauber gewährleistet wäre.
Der dritte und gar nicht einmal abwegige Grund mag jener sein, dass es vor allem im östlichen Nachbarland immer noch Gemeinden gibt, in welcher die Feuermänner eine braune Sonntagstracht, so wie anno Adolfi tragen. So geriete bei Freundschaftstreffen mit so einer braunen Horde die Seele selbst eines abgebrühten Weissen in Bedrängnis und in die eigene Erklärungsnot hinein. Und da die Mannen der Feuerwehr ohnehin eher als konservativ, Haus-, Hof- und Vaterlandliebende, also mehrheitlich als rechte Mannen eingestuft werden, wird sich ein politisch gut ausgestellter Weisser eben Gedanken machen, wo er da hineingeraten würde. Also lässt er es lieber brennen, wie sich die Finger verbrennen.
Aber die Zeit für braune Unformen ist eigentlich ja abgelaufen und auch die schwarze Feuerwehrsonntagstracht der Unsrigen hat ihr Ablaufdatum schon überschritten. Denn die haargenau gleiche Uniform hatte ja schon jener Polizist mit dem Gummiknüppel, welcher schon in schwarzweissen Stummfilmen immer dem Charly Chaplin auf die Rübe haute.


Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung