Leserbrief

Und der Spitalkrug ...

Harry Quaderer, Jürgen Beck, Ado Vogt, DU-Abgeordnete | 9. Juni 2018

... geht schon wieder zum Brunnen. Die Steuerquelle Liechtenstein sprudelt und versiegt so schnell nicht. Nur aber ist gibt es ein kleineres Problem: Gesundheitsminister Pedrazzini und Stiftungsratspräsident Ritter gehen zum Brunnen, halten aber nur noch einen Henkel in der Hand. Der Rest des Kruges liegt in tausend Stücken ...
Die Grundsatzdiskussion im Landtag hat einiges klar gezeigt. Zusammengefasst: Der Landtag will ein Spital. Die Grundversorgung soll im Land bleiben. Der Landtag ist gegenüber einem Kauf der Medicnova nicht abgeneigt (Preisfrage). Das Landesspital wird niemals rentabel sein können. Kooperation mit Grabs wird ausgeschlossen. Fremdes Preisdiktat und gemeinsame Trägerschaft will man nicht. Keine Grundversorgung im Land sei staatspolitischer Bankrott. Kein Spital ist also keine Option. Und ja, die Musikschule und die Universität kosten mehr wie unser Landesspital. Eine Strategieänderung kommt nicht infrage. Dies die Argumente der Volksvertretung und Regierung. Wie werden wir also den Spitalkrug wieder einigermassen flicken?
Weiter wursteln wie gehabt? So erscheint es uns. Prinzip Hoffnung? So scheint es. LLS und Medicnova unter einen Hut zu stecken? Es macht den Anschein. Ein von der St. Galler Gesundheitsministerin Hanselmann gewünschtes Gespräch ablehnen? So siehts aus. Konkurrenz anstatt Kooperation? So siehts aus. Mit gutem Geld schlechtes Geld verdecken. So erscheint es uns. Konklusion: Eine gescheiterte Strategie wird weitergeführt!
In spätestens zwei Jahren wird dann das Gejammer von vorne beginnen und man wird auch dann an der Realität vorbeireden und versuchen, mit dem Henkel Wasser zu schöpfen. Dem Steuerzahler sei gedankt. Werfen wir einen Blick in die Vergangenheit. 1977 wurde eigentlich das erste Mal über einen Spitalneubau in Liechtenstein diskutiert. Dieser sollte in Schaan errichtet werden. Gemäss Recherchen herrschte unter den damaligen Akteuren ganz klar die Meinung vor, dass man ein Spital zur «Grundversorgung» so sähe, dass Pflege und nur kleinere medizinische Eingriffe im Land stattfinden sollen, da wir ja fast in allen anderen Disziplinen bestens in der Region versorgt würden. In einer Zeit, als man auch schon dachte, man könne in unserem Land alles selber besorgen und machen, hatten da aber doch ein paar Leute weitblickend über den Tellerrand hinausgeschaut. Dieser Weitblick scheint uns abhanden gekommen zu sein! Wir verstehen unter Grundversorgung im Jahr 2018 eigentlich fast alle medizinischen Disziplinen, ausser Spitzen-Medizin. Warten wir ab, vielleicht gehört Spitzen-Medizin ja auch schon bald zur Grundversorgung.
Stopp! Sind wird nicht in der Lage, aus der Vergangenheit zu lernen? Sind wir nicht in der Lage zu sagen, nein, die gewählte Konkurrenzstrategie bringt nichts? In unseren Augen wäre die weitaus vernünftigste und sinnvollste Lösung, Kooperation und Synergien mit Grabs zu erarbeiten und auf Augenhöhe eine Partnerschaft einzugehen. Eine solche Lösung auf Anhieb mit fadenscheinigen Argumenten (Preisdiktat im Ausland) abzuwürgen, ist staatspolitisch verantwortungslos. Vergessen wir bitte nicht, dass wir im Moment doch einem «inländischen Preisdiktat» unterstehen, das den Patienten und Steuerzahler weit teurer zu stehen kommt.

Harry Quaderer, Jürgen Beck, Ado Vogt, DU-Abgeordnete

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