Leserbrief

Liechtensteinisches Landesspital – hätte, wäre, wenn ...

Im Fetzer 39, Schaan | 8. Juni 2018

Sehr erfreulich ist, dass sich der Landtag in der jetzigen Situation mehrheitlich für die Aufrechterhaltung einer Spitalgrundversorgung im eigenen Land ausspricht, auch wenn diese nie kostendeckend erfolgen kann, «… im Sinne der Souveränität, der Selbstversorgung, der Versorgungssicherheit, der Identitätsstiftung und der volkswirtschaftlichen Bedeutung …», wie es die Abgeordnete Violanda Lanter-Koller zusammenfassend ausdrückt.
Ein kurzer Rückblick: Ein gemeinsames neues Spital («Oberes Rheintal») mit dem Kanton St. Gallen – aus ökonomischer Sicht sicherlich die beste Variante – an einem geeigneten Standort (Vaduz/Sevelen? Schaan? Weite?) mit Aufgabe der jetzigen Spitäler Vaduz, Altstätten und Grabs (heutiger Standort wirklich nicht ideal!) wurde leider zuvor nie ernsthaft diskutiert. Es wurde auf eine eigenstaatliche Lösung gesetzt, bereits erste Bemühungen einer Kooperation mit dem Spital Grabs – zweitbeste Lösung – scheiterten allerdings an den Verantwortlichen des Kantons St. Gallen, die Zusammenarbeit mit einem Zentrumsspital war die Konsequenz. Der Neubaukredit für das Landesspital in Vaduz wurde in der Volksabstimmung im Oktober 2011 jedoch deutlich abgelehnt, die nachvollziehbare Gründung der Privatklinik Medicnova und die damit zusammenhängenden jetzigen Probleme und Spitaldiskussionen waren die absehbaren Folgen. Schade nur, haben die Mehrheit der Politiker sich nicht bereits damals im Vorfeld der Volksabstimmung klar für den Erhalt eines Landesspitals ausgesprochen und im lediglich auf die Ärzteschaft fokussierten unsäglichen Abstimmungswahlkampf gleichermassen engagiert.
Tempi passati – was nun? Ein Zusammengehen von Landesspital und Medicnova – in welcher Form auch immer – scheint zwingend. Vielleicht wären eine Innere Medizin, Geriatrie und Palliativmedizin (Pflegestation für zukünftig steigenden Bedarf?) am jetzigen Standort Vaduz und die operativen Fächer in der Medicnova in Zusammenarbeit mit den dort tätigen Ärzten auch eine Lösung.

Dr. med. Rainer Wolfinger,
Arzt in Pension,

Ehemaliger Ärztlicher Leiter des Liechtensteinischen Landesspitals,

Im Fetzer 39, Schaan

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung