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Leserbrief

Gesundheitsstandort am Scheideweg

Dr. Markus GassnerDr. Branko GrizeljDr. Edgar GoppDr. Wolfgang... | 2. Juni 2018

Die Spital-Diskussion in Liechtenstein ist emotionsgeladen, und es werden zum Teil Argumente vorgebracht, die einfach nicht der Wahrheit entsprechen. Fakt ist, Investoren sind keine Spekulanten, sondern Menschen, die mit viel Engagement und Arbeit etwas aufbauen wollen. Sie riskieren ihr Geld in der Hoffnung, dass es irgendwann wieder zurückkommt. Der Spekulant hingegen ist ein Händler, der nur kauft und wieder verkauft, möglichst mit Gewinn und oft mit fremdem Geld.
Nach der Volksabstimmung vom 30. Oktober 2011 – 58,1 % sprachen sich gegen einen Neubaukredit für das LLS aus – war klar, dass privat neue Wege für eine optimale medizinische Versorgung gesucht werden müssen. Wir, die Initianten der Medicnova, haben dann beschlossen, in ein neues, modernes Spital zu investieren, um einen Beitrag für eine hochqualitative Gesundheitsversorgung zu leisten.
Aufgrund zahlreicher Vorgespräche durften wir davon ausgehen, dass uns eine finanzielle Gleichbehandlung wie den Vertragsspitälern in der Schweiz zusteht. Diese Annahme stellte sich später leider als falsch heraus. Das LLS sah in einer weiteren Zusammenarbeit mit uns Ärzten «keinen Vorteil» und bot keine Kooperationsmöglichkeit an, daher waren wir im Sinne der Patienten gezwungen, einen anderen Kooperationspartner zu finden.
Im Jänner 2017 wurde die Medicnova nach fünfjähriger intensiver Aufbauarbeit eröffnet. Die medizinische Qualität, die Infrastruktur und die Ausstattung entsprechen dem heutigen Standard und sorgen seit Anbeginn für hohe Patientenzufriedenheit. Trotzdem muss die Medic­nova zu Tarifen arbeiten, die im Schnitt rund ein Drittel geringer sind als die der Mitbewerber. Man stelle sich vor, ein Selbstständiger in einer anderen Branche, z. B. ein Schreiner oder Garagist, bekommt staatlich angeordnet ein Drittel weniger für seine Leistungen als die Mitbewerber. Das kann wirtschaftlich nicht funktionieren.
Als Folge bleibt nur die Möglichkeit eines Verkaufs ins Ausland – oder man findet doch noch eine inländische Lösung. Für uns als im Land verwurzelte Initianten hat die Weiterführung der Klinik im Rahmen einer liechtensteinischen Lösung oberste Priorität, schliesslich geht es darum, die medizinische Eigenversorgung in möglichst grossem Umfang zu sichern und die Wertschöpfung im Land zu mehren.
Nach heutigen Berechnungen würde die Zusammenführung von Medicnova und LLS die Verluste beider Spitäler wettmachen, der gemeinsame Betrieb würde sogar ein positives Ergebnis ermöglichen. Es geht also nicht um die Rettung von Spekulanten, sondern um das Verhindern von Millionenverlusten für beide Spitäler. Diese Verluste einzustellen, ist bereits ein Gewinn. Zudem wäre Liechtenstein ohne Eigenversorgung dem Preisdiktat ausländischer Anbieter ausgeliefert.
Die Sondierungen haben gezeigt, beide Verhandlungspartner verfolgen ähnliche Ziele, und in vielen Punkten scheint es ein Einvernehmen zu geben. Die noch offenen Punkte gehören daher aus unserer Sicht ohne Emotionen weiterverhandelt – immer mit klarer Sicht auf das Ziel. Uns Initianten der Medic­nova ist klar, dass wir mit einer solchen Lösung hohe Verluste tragen würden, sind aber geschlossen bereit, diesen Weg zu gehen.
Bei einem Scheitern der Verhandlungen hingegen würde es auf allen Seiten nur Verlierer geben und eine grosse Chance für den Gesundheitsstandort wäre vertan.

Dr. Markus Gassner
Dr. Branko Grizelj
Dr. Edgar Gopp
Dr. Wolfgang Mayer
Dr. Rainer De Meijer
Dr. Wolfram Müssner
Dr. Rolf Risch
Dr. Gernot Singer

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