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Leserbrief

Gesundheitspolitik rot gefärbt

Harry Quaderer und Jürgen Beck, DU-Abgeordnete | 30. Mai 2018

In einem Rundumschlag gegenüber Politik unter dem zynisch anmutenden Titel: «Wird Pedrazzini zum Totengräber des Landesspitals?» lässt VU-Parteisekretär Michael Winkler seinen Gedanken auf der «Seite der VU» freien Lauf. Man kann seine Gedanken wenden und betrachten, wie man will: Die Bösen sind Pedrazzini, die Neinsager zum Verpflichtungskredit Neubau LLS (83 Mio. Fr.) und ein paar Politiker im und aus dem Amt, die – was für ein Zufall – allesamt nicht auf der VU-Seite zu suchen sind. Zwischen und in den Zeilen Winklers kann man eigentlich nur eines lesen: Bitte helft den armen Ärzten, die man aufs Gröbste denunziert hat. Bitte helft den armen Ärzten, die sich mit der Medicnova auf Gröbste verspekuliert haben. Bitte helft den armen Ärzten, die via Medicnova ihre allgemein versicherten Patienten nach Grabs und nicht nach Vaduz senden. Man lege den roten Teppich für eine Rückkehr der abtrünnigen Belegärzte aus. Alle sind schuld, nur die VU nicht!
Parteipolitik in Ehren, aber so plump und einfach lassen sich die letzten Jahre im Gesundheitswesen nicht zusammenfassen. Dass das Landesspital vor dem Abstimmungskampf zum Verpflichtungskredit einen ramponierten Ruf hatte, ist Tatsache. Dass einige Ärzte sich durch das liechtensteinische Gesundheitswesen schamlos bereichert haben und sicher nicht für einen «Gotteslohn» von nur 300 000 Franken im Jahr arbeiten, scheint Michael Winkler auch nicht zu interessieren. Dass das Landesspital durch eine verfehlte Strategie mit oder ohne die Belegärzte der Medicnova hohe Verluste einfahren wird, scheint auch nicht zu kümmern. Dass der Stiftungsratspräsident Ritter (VU) und der Gesundheitsminister Pedrazzini (FBP) offenbar immer noch glauben, dass Liechtenstein ein Landesspital, mit der wie in Stein gemeisselten Konkurrenzstrategie auch nur einen Hauch einer Chance hat, schwarze Zahlen zu schreiben, ist für mich unverständlich. Für uns wäre ein Wechsel des Stiftungsratspräsidenten schon längst überfällig! Es braucht neue Ideen. Es müssen die Zeichen der Zeit erkannt werden. Unser Land, unsere Bevölkerung ist schlichtweg zu klein, um ein eigenständiges Notfall-Spital kostendeckend zu führen. Die Fallzahlen sind schlichtweg nicht vorhanden. Ist das so schwierig zu verstehen? Ist unsere Souveränität wirklich bedroht, wenn wir kein 24-Stunden-7-Tage-in-der-Woche-Notfall-Spital unterhalten? Die Spitaldichte im Umkreis von 100 Kilometern sucht ihresgleichen! Um dem Landesspital den Hauch einer Chance zu geben, müsste man die freie Spitalwahl aufheben. Wollen wir das? Die Abstimmungsgegner zum Verpflichtungskredit LLS hatten immer für ein Spital plädiert, das sich mit dem Spital Grabs ergänzen sollte, um für Land und Leute in der Region den bestmöglichen Nutzen zu bringen. Man hätte auf Synergien mit und nicht bedingungslose Konkurrenzstrategie gegenüber Grabs setzen müssen. Da haben die damaligen Gesundheitsminister (VU) im Land und ennet dem Rhein total versagt! Wer weiss, vielleicht kehrt doch noch einmal der gesunde Menschenverstand zu dieser Frage ein. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und als Schlusswort: Sollte sich der Landtag für einen Verpflichtungskredit für die Übernahme der Medicnova aussprechen, wird das Volk das letzte Wort zu sagen haben! Es kann nicht sein, dass der Staat und Steuerzahler einer 100-prozentigen «Privatinvestition» aus der Patsche hilft! Privates Risiko ja, aber ohne Staatsgarantie bitte.

Harry Quaderer und Jürgen Beck, DU-Abgeordnete

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