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Leserbrief

Alpenbartglühen

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 26. Mai 2018

Neulich hat Hans Frommelt das ultimative Tunnelunglücksszenario mit ganz groben Lettern an die Tunnelwände geschmiert. Ein Skibus brennt dort drinnen und die Insassen in ihren Plastikskischuhen – Hosen und Jacken verglühen mitsamt dem Bus, dem Asphalt, der Tunnelverkleidung mit Haut und Haar und Herz und Verstand. Man stelle sich vor, so ein Riesenunglück würde am Skitag der Landesverwaltung passieren. Gar nicht auszudenken, welches Leid über Liechtenstein hereinbrechen würde. Aber es muss ja nicht immer gleich das grösste aller möglichen Unglücke, sprich Himmelszeichen sein. Unglücke kündigen sich immer im Stillen, aber nicht weniger bestimmt an. Deshalb gilt; die Zeichen achten, richtig deuten und rechtzeitig Massnahmen in die Wege leiten.
Ein grosses Tunnelunglück auf Gnalp kann sich einfach aus dem Garnnichts entwickeln. Zum Beispiel beim Alpabtrieb passt ein Alpknecht nicht ganz genau auf und aus seiner Pfeife fliegen mitten im Tunnel Funken, weil dort zufällig eine starke Zugluft vorherrscht. Darob fängt sein Bart Feuer und in der Folge wird auch noch sein Hut von den Flammen heimgesucht. Diesen reisst er herunter, weil sein Hirn schon heiss geworden, wirft ihn im hohen Bogen weg und er verfängt sich ausgerechnet auf dem Alpschmuck der Leitkuh. Mit dramatischen Folgen. Denn schnell brennt die ganze Kuh und fällt wortlos um, worauf der Asphalt Feuer fängt. Im dicken Rauch, der unverzüglich entsteht, verlieren die anderen Kühe die Orientierung vollständig und rennen mitten in das Feuer hinein, anstatt in eine für sie bereitstehende Rettungsbox. Und somit nimmt das Unglück seinen dramatischen Lauf. Sämtliche Alpknechte verbrennen samt ihren Hüten und glühenden Bärten und ersticken unter dem allerletzten Geläute der Kuhglocken. Asphalt, Kühe, Bärte und die Plastikverkleidung erzeugen eine so fatale Hitze, dass alsbald der ganze Kulm unter schwarzen Rauschschwaden tosend in sich zusammenkracht.
Und wie immer wird das Amt für Bau und Infrastruktur aus dem Vorfall keine Erkenntnisse gewinnen. Man wird auch bei der nächsten Alp-abfahrt die Kühe nicht über den Ort der Rettungsbox orientieren. Man wird die Hirten vor dem Tunnel nicht abrasieren, ihnen die Hüte abnehmen und die Pfeifen beschlagnahmen. Nein, man wird wie beim Landtagsgebäude, das auch zusammenkracht alles verniedlichen. Man wird überlegen, welcher Baumeister für guten Lohn mit dem Pflasterköbile und der kleinen Maurerkelle, den Kulm analog dem Ziegelhaufen wieder zusammenpflastert.

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

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