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Leserbrief

Steckdosenjünger

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 24. Mai 2018

«Sind Elektrofahrzeuge die Zukunft und befürworten sie eine Förderung?», stand am 13. Mai in der «Liewo»-Befragungsseite. Deren Zweck war es wohl, Meinungen der Landtagsmänner in eine, im Vorhaben wichtig, im Ergebnis belanglos- nutzlose Wiege einzubetten. Feinstes mediales Synapsengehüpfe. Bei der Suche nach dem Sinn in diesen Narrativen schleicht sich unweigerlich eine grobe Depression ins Gedärm.
Elektromobilität war das Thema, das in moderner Elektrogeilheit von fast allen vier Parteigrüssaugusten mit ernster Miene am Tiefsinn vorbeigefaselt wurde. Der Mann der Schwarzen konnte es nicht lassen, Norwegen als Musterland hervorzukramen, wobei er schlichtweg übersehen hat, dass wir ja gar nicht Norwegen sind. Liechtenstein mit Norwegen zusammendenken ist, als würde man eine verprinzelte Wand mit einem verwandelten Prinzen gleichsetzen. Dafür betonte der FBP-ler die Wichtigkeit der S-Bahn, welche endlich angegangen werden müsse. Ein Lausbube, wer nun auf die schräge Idee kommt, dass er als Hilti-Mann, mit der in Nendeln Hilti-nahen und in Schaan Forst, Hilti-eigenen Haltestelle, den Hilti-Personalbus in den Steuerzahlersack verschieben könnte.
Der VU Mann fand, der Staat sollte auch einem Reichen, der sich ein Auto für 100 000 Franken leisten kann, zusätzlich ein paar Tausender in sein eh schon «fettes Födla» schieben. Tausender, welche Leute zahlen, die allmonatlich nicht wissen, wie sie über die Runden kommen. Zu oft liest man in der Zeitung, dass der Staat einer armen Putzfrau, die sich nicht einmal ein elektrisches Fahrrad, von einem Auto ganz zu schweigen, leisten kann, den Fernseher und den Suppenlöffel versteigert, wobei sie die Kosten dafür auch noch selber zu zahlen hat.
Selbst der Freie-Liste-Mann meint, der Staat solle Autos subventionieren, unter deren schieren Anzahl wir bereits heute schon ersticken.
Ob man langfristig mit solch simplen Ansichten zur Elektromobilität Erfolg haben wird ist fraglich. Denn es wird die Zeit kommen, in der auch die Elektroautos ihren Beitrag an Strassenbau und Unterhalt leisten und auch die Erneuerbaren ohne Subventionen werden auskommen müssen. Und die Zeit, in welcher neben dem Endlager für Atommüll auch nach einem Endlager für Batterien gesucht werden muss.
Und auch die Zeit, in der man den Menschen erklären muss, dass man auch mit der S-Bahn nicht gratis wird fahren können. Und die Zeit, in welcher auch Landtagsmänner die europäische Stromproduktion nicht länger in Allgemeinplätze hineinwursteln können.
P.S.: Laut Wikipedia ist ein Narrativ eine sinnstiftende Erzählung, die Einfluss hat auf die Art, wie die Umwelt wahrgenommen wird.

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

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