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Leserbrief

Bezahlte Elternzeit: Die Bedürfnisse der Kinder in den Mittelpunkt stellen!

Margot Sele, Ombudsfrau für Kinder und Jugendliche, Werdenbergerweg 20, Vaduz | 23. Mai 2018

Eine wesentliche Voraussetzung für die gesunde Persönlichkeitsentwicklung und das Wohlbefinden des Kindes ist der Aufbau von tragfähigen Beziehungen zu den engsten Bezugspersonen (das sind in der Regel die Eltern), insbesondere im ersten Lebensjahr. Dies bestätigt eine im Auftrag der Sophie von Liechtenstein Stiftung erstellte Expertise, die im Februar 2018 vorgestellt wurde. Neugeborene Kinder haben ein (überlebenswichtiges) Bedürfnis nach Bindung. Die Natur hat es so eingerichtet, dass in der Regel auch die Eltern den ganz natürlichen Wunsch haben, in der ersten Lebensphase des Kindes ganz viel Zeit mit ihm zu verbringen. Das verdeutlichen die kürzlich vorgestellten Ergebnisse der Familienumfrage, in der eine überwiegende Mehrheit ihre Kinder vor allem im ersten Lebensjahr selber betreuen möchte.
Dass die Regierung in einem aufwendigen Verfahren die Wünsche und Bedürfnisse der Familien in Liechtenstein erhoben hat, ist ein erster, wichtiger Schritt. Der nächste Schritt ist nun die Umsetzung der sich daraus ergebenden Handlungsfelder. Dies wird auch mit Kosten verbunden sein. Es stellt sich also die Frage, wie viel uns die gesunde Entwicklung unserer Kinder und Familien wert ist. Die Kinder von heute tragen den Staat von morgen. Dass gesunde und starke Familien die Basis eines prosperierenden Staates sind, dürfte uns allen einleuchten. Wie steht es jedoch mit unserer Bereitschaft, mit der Einführung bezahlter Elternzeit und anderen Massnahmen, in Kinder und ihre Familien zu investieren und dafür allenfalls eine Steuererhöhung in Erwägung zu ziehen? Vertreterinnen und Vertreter der Industriekammer und der Wirtschaftskammer warnen, dass bezahlte Elternzeit die Wirtschaft vor erhebliche Probleme stellen würde. Dem möchte ich entgegnen, dass Probleme da sind, um gelöst zu werden und uns nicht daran hindern sollten, entwicklungsfördernde Schritte zu machen.
Liechtenstein kann sich bezahlte Elternzeit leisten. Die Frage ist hier nicht ob, sondern wie. Seitens des Arbeitnehmerverbandes liegt bereits ein prüfenswertes Lösungsmodell für die Finanzierung vor.
Weitere kreative Lösungsvorschläge sind gefragt!

Margot Sele, Ombudsfrau für Kinder und Jugendliche, Werdenbergerweg 20, Vaduz

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