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Leserbrief

Ist Ordnung das halbe Leben?

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 17. Mai 2018

Diesen schlauen Satz sagte ich einst einem jungen Mann, worauf der rotzfreche Lümmel erwiderte: «Und en Negerornig isch de dischi Hälfti.» Womit er ja so unrecht gar nicht hatte. Sind wir einmal auf Profatscheng, Planken, Schellenberg oder auf dem Hubel und schauen auf die Dörfer dort unten, dann sticht besonders diese wunderbare, durch weise Hände und weitsichte Köpfe entstandene Ordnung ins Auge. Wohl gerichtet und der Landschaft gut verträglich, vom Bauamt und Kommissionen mit ihrem urbanen, der Schuld an der Natur bewussten Architekturverstand genehmigt, reiht sich dort Haus an Haus. Beim einen schaut der Spitzgiebel nach Feldkirch, beim nächsten das Flachdach nach Sax, beim anderen das Walmdach nach Osten, bei einer italienischen Villa strotzen die Balustern nach Frümsen, das eine duckt sich unter brauen Ziegeln, das andere unter Wellblech, eines sieht aus wie der hohe Kasten, das andere wie die Schaffenskraft des Maulwurfs, das nächste wie ein akkurat geklatschtes Fuder Mist. Wohl geordnet wie es sich für ein, von starker Hand regiertes Land gebührt. Hätten wir nicht diese Bauvorschriften und die in ihnen aufblühenden Behörden, mit ihrem jeweils der Situation angemessenen, oft sehr streng, doch immer zum Wohle der Bürger ausgerichteten, dominanten Beschützerinstinkt, die diesen umsorgen und dem Wohle des Staates dienend, für sein heilvolles Dasein täglich ihr Bestes geben. Hätten wir nicht eine Regierung mit dickem Fell auf dünner Haut, die das Flegelhafte gewisser Landtagsmänner immer wieder zu zügeln weiss und ihnen in ihrem läppischen Demokratieverstand den Weg aus dieser Sackgasse vor Augen zu führen vermag. Und hätten wir nicht einen Beamtenstand, der es sorgsam versteht, der Regierung zu dienen und den Bürger stets und innig, aber bestimmt in die sichere und geordnete Mitte der Gesellschaft, weg von gefährlichen Klippen einzubinden.
Hätten wir das alles nicht, dann «gut Nacht am Sechse». Dann stellten wir beim Blick von der Höhe auf unsere Dörfer fest, dass dort eine «Negerornig» sondergleichen herrscht. Bei dem einen Haus blickte der Spitzgiebel nach Feldkirch, beim nächsten das Flachdach nach Sax, beim anderen das Walmdach nach Osten, bei einer italienischen Villa strotzten die Balustern nach Frümsen, das eine duckte sich unter brauen Ziegeln, das andere unter Wellblech, das eine sähe aus wie der hohe Kasten, das andere wie die Schaffenskraft des Maulwurfs, das wieder andere wie ein akkurat geklatschtes Fuder Mist.

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

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