Leserbrief

Steckdosenliste?

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 26. April 2018

Die jüngsten Beiträge von der Umweltarbeitsgruppe der Freien Liste mit dem umweltschädlichen Titel «CO2 Ausstoss Kapitulation oder Pilotland» sind bemerkenswert – verkehrt. Enthusiasmus höchster Erregung legen diese Gralshüter an den Tag, um unsere Heimat vor dem drohenden Klimakollaps zu bewahren. Das mag ja im Grunde eine gute Sache sein und wenn wir das Versiegen des Golfstromes dereinst deswegen überleben, weil sich die Weis­sen so ins Zeug gelegt haben, dann gebührt ihnen unser Dank heute schon. Aber noch nagen die Biber, noch quaken die Frösche, noch krächzen die Raben.
So berichtet eine «Pilotland»-Textpassage in überschwänglicher Freude, dass die Norweger bald nur noch Elektrofahrzeuge erlauben wollen und wir sollten von denen lernen. Aber Norwegen? Norwegen ist energietechnisch ein Land der Superlative. Es produziert seinen Strom zu fast 90 Prozent aus Wasser und baut die Wasserkraftwerke laufend aus. Den Rest besorgen Erdgas und Öl. Norwegen ist also vollständiger Energieeigenversorger. Und das ist so, weil dieses Land eben von Gott und auch Geist gesegnet ist. Achtzehnmal mehr Land hat es dort pro Bewohner als bei uns. Und es herrschen vor allem vorzügliche geografische und, mit viel Regen, beste klimatische Bedingungen. Von Geist sind die Norweger auch deshalb gesegnet, weil sie die riesigen Einnahmen aus dem Öl für die Zeit danach sparen.
Wir hingegen müssen 90 Prozent unseres Stromes importieren. Die anderen Energieträger sogar zu 100 Prozent. Energieexporteur in Europa ist vor allem Deutschland. Aber nicht weil es so viele Windräder hat, denn diese decken noch nicht einmal den Ausfall der bis jetzt abgeschalteten Atomanlagen, sondern weil Deutschland immer noch Gas, Mineralöl und Kohle verfeuert, dass es nur so kracht.
Die Freie Liste würde gerne her­gehen und bei uns jedem, der ein Elektrofahrzeug kauft, 3000 Franken Steuergelder in den Hintern stecken, damit wir noch mehr Dreckstrom importieren müssen, um damit noch mehr Autos zu fahren? Hier käme nun die Geistsegnung zum Tragen. Weiter fabuliert die Arbeitsgruppe der Freien Liste, man solle den Strom vom Hausdach nehmen und geniert sich nicht, für reiche Hausbesitzer Subventionen zu verlangen. Dass die CO2-Bilanz der Elektrofahrzeuge ein einziges Desaster ist, davon scheint man bei der Freien Liste auch nichts gehört zu haben. H. von Treitschke würde vermuten: «In sozialistischen Ideen ist jederzeit der verwegenste Idealismus mit dem begehrlichsten Materialismus zusammengetroffen.»

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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