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Leserbrief

Odyssee durch den Immobilien-Dschungel

Ruth Schöb, Auring 57, Vaduz | 20. April 2018

Mit besten Absichten dachte ich, mich wohnungsmässig in unserem Hauptort zu vergrössern. Stunden verbrachte ich mit dem Studium entsprechender Mietobjekte. Neubau oder bis etwa zehnjährig, über 100 Quadratmeter, zentrumsnah, rollstuhlgerecht, kleiner Hund willkommen. Die Ergebnisse erstaunlich oder bloss ernüchternd?
Ich weiss jedenfalls eine Menge mehr über unseren Immobilienmarkt. Und unser Gott Mammon war mir meistens einen Schritt voraus oder hat mich kalt erwischt. So versprach mir ein Vermieter seine noch im Rohbau befindliche Wohnung, ich freute mich auf baldige Besichtigung. Aber, wen wundert es, über Nacht wurde sie plötzlich verkauft! Reservierung hin oder her, das Geld hat gerufen!
Die nächste unfertige Immobilie ausfindig gemacht, bei Nachfrage: längstens alles unter der Hand vermietet.
So hatte ich doch neuerdings Glück, dachte ich naiv, Gebäude noch im Bau, wagte ich, kleinste Rollstuhl bedingte Änderungen auf eigene Kosten anzufragen. Das sei zu spät, nicht machbar, ohne geringstes Bedauern oder Bemühen. Allerdings wundert mich dies nicht, der Nächste wird im Handumdrehen die Wohnung dem Besitzer so abnehmen, wie er sie vorfindet.
Interessant ist noch, dass rollstuhlgerecht den Lift betrifft, nicht aber eine ebenerdige Dusche oder ein Badezimmer, welches gross genug wäre, um mit einem Rollstuhl sich bewegen zu können. Auch dies weiss ich inzwischen. Unsere Bodenpreise bedingen enge Badezimmer, auch logisch. Nächste Wohnung, Hoffnung keimt auf, allerdings nur bis zum Hindernis «kleiner Hund».
Zur Konkretisierung muss ich sagen, dass es sehr nette Makler gibt, die sich bemühen, sogar preislich dem Mieter entgegenzukommen, wenn es sich um ältere Objekte handelt. Die sind aber meistens nicht rollstuhlgerecht.
Herr und Frau Liechtensteiner kaufen Neubauten wie frische Semmeln ein – bzw. der Besitzer verkauft sie quasi über den Ladentisch. Die Nachfrage scheint grösser als das Angebot. So bleibt der Mieter auf der Strecke und kommt nur mit viel Glück und Kompromiss ans Ziel. Noch schwieriger wird das Unterfangen im Rollstuhl, sowohl aus architektonischer wie auch aus menschlicher Sicht. Doppelt blöde, wenn Hund und Katze auch mit einziehen möchten.
Die hohen Mietpreise in unserem Lande sind ein zusätzliches Thema, das lasse ich einfach so stehen. Aus bäuerlichem Agrarstaat wurde in kürzester Zeit Millionärsland, teilweise ist dadurch nicht nur Boden, sondern auch gesundes Miteinander und Menschlichkeit verschwunden.
Eine Liechtensteinerin ohne eigene Böden ...

Ruth Schöb, Auring 57, Vaduz

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