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Leserbrief

Nationalmuseum

Jürgen Schremser,Historiker, Vaduz/Wien | 29. März 2018

Die ehemalige Präsidentin des Stiftungsrates des Landesmuseums (LLM), Irene Lingg-Beck, empört sich über Elmar Gangls Interview mit ihrer Nachfolgerin Renate Wohlwend. Für Lingg-Beck sind Gangls kritische Fragen zu der aktuell diskutierten Ausstellungspraxis des LLM «tendenziös», «inakzeptabel» und «respektlos gegenüber dem Landesmuseum». Ich möchte Frau Lingg-Beck beruhigen. Gangl macht einfach seinen Job, wenn er die derzeit aufgeworfenen Fragen zur Direktion und Aufgabenstellung des LLM an die verantwortliche Stiftungsratspräsidentin richtet und dabei nicht locker lässt, sondern nachhakt und Aufklärung zu den Hintergründen um die seltsame Misswahl zum Weltfrauentag erhalten will. Dies mag für liechtensteinische Verhältnisse ungewohnt sein, es ist dennoch das, was guten Kulturjournalismus von Gefälligkeitsberichten unterscheidet. Das ist nicht nur akzeptabel, sondern unerlässlich. Was Frau Lingg-Beck in ihrem Ärger über Gangl und ihrem Hymnus auf Direktor Vollkommer völlig ignoriert, ist die mittlerweile bei Stiftungsrat und Kulturministerin angekommene Frage nach der inhaltlichen Ausrichtung des LLM und der diesbezüglichen Bilanz des tatsächlich Veranstalteten. Hier vermissen zahlreiche mit der Landesgeschichte und dem LLM verbundene Personen eine der Zweckbestimmung des Museums verpflichtete Linie: «Kernaufgabe ist das Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln der liechtensteinischen Geschichte, Landeskunde, Kultur und Natur.» So lautet es erfreulich klar in der Eignerstrategie des LLM (2016), die an entsprechende gesetzliche Bestimmungen anschliesst. Nicht klar genug für die ehemalige Stiftungsratspräsidentin? Das von ihr gelobte «Netzwerk» des Rainer Vollkommer in Ehren, aber auch dieses muss der Kernaufgabe des LLM untergeordnet sein. Als Nationalmuseum hätte das LLM die Aufgabe, die zentrale Bühne des kulturellen Gedächtnisses und der historischen Selbsterkenntnis der lokalen Gesellschaft zu sein. Dafür bedarf es weniger der Museumsdiplomatie mit China und Russland, sondern der Kenntnis laufender historischer Forschung und Fragestellungen im Land und im regionalen Kulturraum. Um Internationalität und Vernetzung muss sich dabei niemand Sorgen machen, denn eine selbstbewusste Befassung mit liechtensteinischer Kultur und Geschichte bettet diese nach wissenschaftlichen Standards in grössere Entwicklungen ein und bietet Vergleichsmöglichkeiten, die auch ein ausländisches Publikum interessieren.


Jürgen Schremser,
Historiker, Vaduz/Wien

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