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Leserbrief

Ignorieren als Lösungsstrategie

Amon Marxer, Eschen | 29. März 2018

Medien berichten, die durchschnittliche Lebenserwartung steige weiter. Gute Nachrichten! Zumindest, solange man die Folgen für unser Sozialsystem erfolgreich ausblenden kann. Den Reaktionen auf die Aussagen des Fürsten zum Pensionsalter nach zu urteilen, ist die Bereitschaft, mit der Realität konfrontiert zu werden, im Volk eher rar.
Wir reagieren dann wohl wieder, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht beziehungsweise die Kassen leer sind – PVS lässt grüssen – und bis dahin reden wir uns die Welt schön. Alle paar Jahre dieselbe Diskussion über die Erhöhung des Rentenalters und der Entschluss, das Thema weiter auf die lange Bank zu schieben. «Mi hebt’s no us.» Mit etwas Glück wird’s zum Problem unserer Kinder. Solange die Lebenserwartung steigt, wird die Anpassung des Rentenalters als fixe Zahl ein wiederkehrendes Thema bleiben. Vielleicht sollten wir uns deshalb überlegen, das Rentenalter stattdessen gesetzlich an die Lebenserwartung zu koppeln, also kein fixes Rentenalter zu definieren, sondern ein fixes Verhältnis der Lebenszeit zur Rentenzeit (weil ein Verhältnis der Arbeitszeit zur Rentenzeit zwar gedanklich einleuchtender, aber schwierig festzulegen wäre). Die notwendigen Zahlen, das heisst, Angaben zur voraussichtlichen durchschnittlichen Lebenserwartung in Abhängigkeit des Geburtsjahres, sind verfügbar. Natürlich wird auch die Einführung eines solch «gleitenden» Rentenalters keinen Jubel auslösen. Die Rentner werden von Einschnitten verschont bleiben; alles andere wäre politisch kaum durchsetzbar. Aber mit jedem Jahr, das wir warten, steigt der Anteil der Rentner und Reformen werden schwieriger. Eine baldige Reform ist also dennoch im Interesse der Jungen; nicht zuletzt auch, weil sie ohnehin für die durch die steigende Lebenserwartung verursachten Kosten geradestehen werden müssen. Sei dies durch ein nach und nach erhöhtes Rentenalter oder immer weiter steigende Lohnabzüge. Je jünger die noch in den Arbeitsprozess eingebundenen Bürger sind, desto grösser dürfte die Ernüchterung ausfallen, wenn sie das mit ihrem Jahrgang verküpfte Rentenalter erfahren. Aber wenigstens ist das Rentenalter mit einer Angabe zur Lebenserwartung verbunden. Damit ist vermittelt, dass sie zwar länger arbeiten müssen, aber im Verhältnis dazu auch eine entsprechend verlängerte Pension erwarten dürfen, die im Verhältnis zur Lebenszeit für alle Jahrgänge gleich ist. So eine Regelung müsste nicht, wie ein fixes Rentenalter, alle paar Jahre konfliktreich angepasst (oder die Diskussion darüber verschoben) werden und wäre, denke ich, für Jung und Alt nachvollziehbar und damit politisch umsetzbar. Das, oder weitertrödeln.

Amon Marxer, Eschen

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