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Leserbrief

Vorbilder und Medien

Frauennetz Liechtenstein | 14. März 2018

Nachdem die Stabsstelle für Chancengleichheit verkleinert und zu einem Fachbereich im ASD herabgestuft wurde, sind Veranstaltungen, Austausch und Koordinationsarbeiten die Gleichstellung und Frauenpolitik betreffend meist in der Hand privater NGOs und Vereinen wie dem Frauennetz Liechtenstein. Das Frauennetz ist seit 2016 als Verein organisiert. Der Verein hat das Ziel, die Chancengleichheit in der liechtensteinischen Gesellschaft zu fördern. Dies geschieht, indem der Verein als Anlauf- und Koordinationsstelle seiner Mitglieder dient und zur Vernetzung dieser beiträgt, Aufgaben, die zuvor durch die Stabsstelle wahrgenommen wurden.
So organisierten das Frauennetz und der Verein Frauen in guter Verfassung eine öffentliche Veranstaltung zum Internationalen Tag der Frau, die Präsentation des Filmes «Verliebte Feinde» im Takino in Schaan mit Rahmenprogramm, Begrüssungsworten von Astrid Walser und einem Apéro, spendiert von der Gemeinde Schaan.
Das gewählte Motto Vorbilder ist in der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Situation in Liechtenstein passend. «Vorbilder machen Mut, den eigenen Weg zu gehen und sich gegen einengende Konventionen zu wehren», heisst es in der offiziellen Einladung zum Anlass. Der Film «Verliebte Feinde» basiert auf der wahren Geschichte des Ehepaares Iris und Peter von Roten. Sie heirateten trotz ihrer unterschiedlichen Ansichten. Peter von Roten war Politiker und wusste zu polarisieren. Iris von Roten kämpfte gegen die Ungleichbehandlung der Frauen, für das Frauenstimmrecht sowie für die Gleichstellung und Gleichberechtigung auf allen gesellschaftlichen Ebenen. «Wo viele Frauen auch heute noch aus taktischen Gründen nicht zu viel fordern wollen – man denke an die Quotendiskussion – verlangte Iris von Roten von ihrem Mann genau das: ihr zu folgen in eine radikale Utopie», schrieb Martina Knoben in der Süddeutschen Zeitung über diesen Film.
So weit, so gut. Nun wird es grotesk: Die liechtensteinischen Tageszeitungen hielten es nicht für notwendig, an der Veranstaltung präsent zu sein und darüber zu berichten. Auf eine entsprechende Einladung wurde entweder nicht reagiert oder mitgeteilt, dass die Veranstaltung «keinen Liechtensteinbezug» habe. (Danke an das Team von 1FLTV, die über den Anlass berichteten.) In den Redaktionen konzentrierte man sich derweil auf das Herausgeben eines «Frauenlandes» oder liess den Frauentag fast ganz aus. Also übernehmen Vereine in Zukunft nicht nur die Organisation, sondern auch die Verbreitung dieser Veranstaltungen über soziale Medien. Gerne geschehen.

Frauennetz Liechtenstein

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