Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Les FL-eurs de l’hypocrisie

Amon Marxer, Eschen | 12. März 2018

Was Herrn Vollkommer letzte Woche mit seiner Kunstaktion jedenfalls gelungen sein dürfte, ist die Demaskierung linker Doppelmoral. Regelmässig echauffiert sich unsere progressive Avantgarde, dass die Gesellschaft es beim Thema Abtreibung wagt, die Freiheit von Frauen, selbst über ihren Körper zu bestimmen, einzuschränken. Dann drehen sich die angeblichen Verfechterinnen weiblicher Selbstbestimmung um und schreiben erwachsenen Russinnen vor, was sie gefälligst mit ihrem Körper zu tun und zu lassen hätten. Die Freiheit von Frauen endet also abrupt, sobald sie sich nicht mehr ideologiekonform verhalten, weil sie auf dem Laufsteg angeblich «schädliche Geschlechter­stereotypen» fördern. Die Unfähigkeit zur Selbstreflexion, die aus der Aktion der (offenbar primär aus Schnee-FL-ocken bestehenden) Protesttruppe «les fleurs du mal» im Landesmuseum spricht, ist so tragisch, dass sie schon wieder komisch wirkt. Überraschen sollte uns das aber nicht, denn diese Doppelmoral begegnet uns mittlerweile regelmässig: Meinungsfreiheit? Suuuuper wichtig für unsere FLeiheitskämpfer! Zumindest solange die Schneeflocken keine abweichenden Meinungen zu hören bekommen. Ansonsten muss ein wenig wohlwollende Zensur – nennen wir sie freundlich und modern «political correctness» – dafür sorgen, dass Menschen wie Nigel Farage in unserem Land nicht sprechen dürfen oder Leserbriefe «gesäubert» werden. Demokratie? Unverzichtbar für die «Demokratiebewegung in Liechtenstein»! Nachts gibt sie sich beim Gedanken ans Fürstenhaus Weinkrämpfen hin, ist aber blind für die Ironie, die aus ihrem eigenen Namen spricht. Eine kleine adelige Elite kann es doch unmöglich besser wissen, als das Volk! Zeit, die geballte Volksweisheit von den Fesseln der Monarchie zu befreien! Oh, Utopia, wenn Bürgerinnen und Bürger endlich frei darüber entscheiden können, von wem sie politisch vertreten werden wollen! Es sei denn, es stelle sich heraus, dass das Volk zu dumm wäre, die «richtigen» Entscheidungen zu treffen. Dann müsste die Wahlfreiheit eingeschränkt werden, z. B. durch Quoten. Die Beschneidung der Demokratie zu propagieren ist ja noch kein Grund, den Namen «Demokratiebewegung» infrage zu stellen.
Bevor wir etwas tun, fragen wir am besten unsere moralische Elite. Die sagt uns dann, wie wir mit unserem Körper umzugehen, was wir zu sagen und wen wir zu wählen haben. Alles nur zu unserem Besten natürlich. Aufgepasst, liebe Frauen: Bald kommt der Sommer und die moderne Feministin verhüllt züchtig ihren Körper, um nur ja keine «schädlichen Geschlechterstereotypen» zu bedienen und Opfer der nächsten Empörungswelle (#Irgendwas) zu werden. Freiheit durch Unterwerfung.

Amon Marxer, Eschen

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung