Leserbrief

Zur Schulbauten- strategie und der Schule der Zukunft

William Gerner,Quellenstrasse 8, Eschen | 8. März 2018

Die vom Landtag verabschiedete Schulbautenstrategie ist als Ganzes sehr erfreulich, wenn man sich auch nicht für die beste und kostengünstigste Variante entschieden hat. Regierung und Landtag verdienen ein grosses Lob. Auch die Unterländer Bildungslandschaft wird einen Farbtupfer und somit alle Schüler der Sekundarstufe eine wohnortsnahe Schule erhalten. Es ist sehr wichtig, dass mittelfristig alle Schülerinnen und Schüler dieser Stufe überall zusammengeführt werden. Lediglich die Realschule Balzers bleibt noch separiert. Wenn dort ein Kind abgestuft werden muss, so muss es als zusätzliche Belastung auch noch das Schulhaus und die Freunde verlassen. Für eine gerechtere und sozialere Schulstruktur werden zumindest alle Optionen offen gehalten. Obwohl man schon lange weiss, dass die Infrastruktur in der Realschule Schaan nicht mehr den heutigen Ansprüchen genügt, wird sie noch mindestens sechs Jahre als separierte Schule weitergeführt. Es mutet zumindest komisch an, dass die Sportschule weitere Jahre an einem Standort ohne Sportanlagen bleibt. Bei der Volksabstimmung vor wenigen Jahren konnte man den Leuten noch Angst machen, dass eine modernere Struktur viele Nachteile mit sich bringe. Inzwischen haben alle wissenschaftlichen Untersuchungen ergeben, dass sehr gute und gute Schülerinnen und Schüler in allen Strukturen die gleich guten Ergebnisse erreichen, die zweite Hälfte der Schülerschaft aber in integrierten und kooperativen Schulen deutlich bessere Leistungen erbringen. Lediglich im Kanton Zürich hört man andere Stimmen. Wie man aber von dortigen Lehrpersonen lesen konnte, wollte man angeblich mit kooperierten und integrierten Schulen Schulstandorte retten oder Geld sparen. Das geht natürlich nicht. Neue Schulstrukturen funktionieren nur mit den entsprechenden Rahmenbedingungen. Mit dem heilpädagogischen Ergänzungsunterricht, den Stütz- und Förderkursen, den Kleinklassen und dem Deutsch als Zweitsprache hat Liechtenstein alle diese Rahmenbedingungen längst geschaffen. In Liechtenstein könnten die Sportschule, das 10. Schuljahr und die Privatschule Formatio Vorbild sein, wie Schule funktionieren könnte. Die Pflichtschule muss auch einen Beitrag für den Zusammenhalt und die Entwicklung unserer Gesellschaft leisten und so das gegenseitige Verständnis aller Gesellschaftsschichten fördern. Die Zwölf- bis Sechzehnjährigen, welche in diesem Alter stark geprägt werden, sollten den Umgang mit Behinderten, mit Schulleistungsschwachen, mit einseitig Begabten, mit Hochbegabten und mit Fremdsprachigen lernen. Vielen Konflikten in unserer Gesellschaft könnte so schon früh im Pflichtschulbereich vorgebeugt werden. Immer mehr bin ich überzeugt, dass eine frühe Schulselektion nicht nur schädlich für unsere Gesellschaft, sondern auch für die Kinder nicht förderlich ist. Auch ich weiss, dass Veränderungen und die Umsetzung von Projekten in Liechtenstein immer schwieriger werden. In der letzten Landtagssitzung gab es auch wieder mindestens einen beinahe notorischen Neinsager. Wir können uns heute glücklich schätzen, dass unsere Vorfahren offener für Neues waren. Aber es gilt ja immer noch der Spruch, dass die Hoffnung zuletzt stirbt.

William Gerner,
Quellenstrasse 8, Eschen

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