Leserbrief

Alternative zur neuen Mobilfunkantenne im Schellenberger Wohnquartier

Patrick Risch, Landtagsabgeordneter und Gemeinderat der Freien Liste in Schellenberg | 3. März 2018

Im Dezember 2017 hat der Schellenberger Gemeinderat die Standortwahl der Mobilfunkbetreiber für eine Mobilfunkantenne im Wohnquartier «Eschnerrüti» gutgeheis­sen. Darauf regte sich Widerstand. Mehr als 80 besorgte Einwohner und Einwohnerinnen haben mit ihrer Unterschrift gegen den Bau einer Mobilfunkantenne in ihrem Wohnquartier protestiert. Die Petitionäre warnen vor gesundheitlichen Schäden für Mensch und Tier sowie dem Wertverlust der umliegenden Liegenschaften. Auf der anderen Seite stehen die Menschen, die sich einen besseren Mobilfunkempfang in Schellenberg wünschen.
Wer will schon im Alltag auf sein Handy verzichten? Das ist wahrscheinlich auch nicht notwendig. Aber benötigen wir sogar draussen beim Spazieren im Wald den perfekten Empfang? Zentral ist hier die Frage, wie gesundheitsschädlich diese Strahlenbelastung überhaupt ist, gerade weil wir durch die neueste Technologie mit noch deutlich höheren Dosen bestrahlt würden. Das in unserem Umweltschutzgesetz fixierte Vorsorgeprinzip untersagt alles, was der Gesundheit eines Menschen schaden könnte. Kann z.B. die Regierung diesen Aspekt garantieren?
Der Mobilfunkempfang auf dem Schellenberger Gemeindegebiet ist in der Tat mancherorts schlecht. Aber der Bau einer Mobilfunkantenne ist nicht die Lösung. Es würde so nur ein Teil des Gemeindegebietes mit dem Mobilfunk versorgt. Die neue Antenne wird das bestrahlte Gebiet nur kurzfristig ausreichend versorgen, eben solange der heutige 4G (LTE) Standard aktuell ist. 5G ist schon in den Startlöchern – mit massiv höherem Datendurchsatz. Die Schweizer Mobilfunkanbieter setzen den Gesetzgeber schon seit Längerem unter Druck: «5G wird realisiert, sobald der Grenzwert der Mobilfunkantennen erhöht wird.» Aber auch das wird nicht reichen. Das neue Netz wird viele weitere Mobilfunkantennen erfordern.
Es gibt Alternativen. Bereits erprobt – in der Stadt St. Gallen – ist das intelligente Mobilfunknetz. In einem Pilotprojekt wurde die Innenstadt mit Kleinstsendeanlagen versehen, die mit weniger als 0.1 Watt strahlen. Dies im Gegensatz zu einer Makrozelle oder Minizelle, die mit 1000 Watt respektive mit 100 Watt die Umgebung bestrahlt. In einer ersten Anfrage vom Gemeinderat im Mai 2017 haben das Amt für Kommunikation und die Mobilfunkanbieter Liechtensteins das St. Galler Modell als zu teuer und umständlich abgelehnt. Im Juni 2017 hat das St. Galler Amt für Umwelt einen Zwischenbericht zum Projekt veröffentlicht. Die Ergebnisse sind vielversprechend. Trotz vieler neuer Kleinstsendeanlagen und massiv mehr Datenverkehr im Testgebiet seit 2011 hat die elektrische Feldstärke (also Strahlenbelastung) im Jahr 2013 abgenommen. Hinzu kommt, dass die Stadt St. Gallen das Projekt ohne Hilfe der Mobilfunkanbieter durchziehen musste und somit das Netz nur mit WLAN aufbauen konnte.
Die Idee in St. Gallen ist einfach: Entlang Strassenzügen und an Plätzen wurden Femtozellen (Kleinstsendeanlagen) platziert, die nur knapp ins Wohnzimmer strahlen. Wer einen besseren Empfang in der Wohnung wollte, konnte in den Wohnräumen selbst eine Femtozelle platzieren bzw. einfach einstecken. Nachts lässt sich diese Zelle ausschalten und alle schlafen strahlungsfrei. Anstelle der Zwangsbestrahlung für alle tritt die Eigenverantwortung. Schellenberg wäre aufgrund seiner Topografie ein idealer Standort für ein Pilotprojekt mit Femtozellen. Land und Gemeinde könnten sich an den Kosten beteiligen. Ihre Meinung auf info@freieliste.li

Patrick Risch, Landtagsabgeordneter und Gemeinderat der Freien Liste in Schellenberg

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