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Leserbrief

Doppelte Staatsbürgerschaft – Herkunft und Identität

Carmen Sprenger-Lampert,Landstrasse 333, Triesen | 28. Februar 2018

Gerne beziehe ich mich auf die Leserbriefe bzw. Diskussionen zu dieser Thematik. Auch ich lebe seit 21 Jahren in Liechtenstein und bin Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern. Geboren und aufgewachsen bin ich in Feldkirch. Für die Tatsache, dass ich im landschaftlich wunderbaren sowie wohlhabenden Liechtenstein leben darf, bin ich dankbar.
Nichtsdestotrotz würde ich es nicht übers Herz bringen, den österreichischen Pass in den Flammen eines Funkens zu verbrennen. Zum Land meiner Herkunft, in dem ich geboren wurde, zur Schule ging, die prägende Zeit der Kindheit und Jugend verbrachte, eine Ausbildung absolvierte, aktive Kontakte zu Familienangehörigen, Verwandten und Freunden pflege, existiert eine Verbindung auf Herzensebene. Das Ausfüllen eines Formulars ändert meine moralische Bindung und Wertigkeit nicht.
Es ist nachvollziehbar, dass es Menschen gibt, die im Land ihrer Herkunft Negatives, ja vielleicht sogar Schreckliches erleben mussten und demzufolge froh sind, anderswo an einem wunderbaren Stück Erde in Ruhe, Frieden und Wohlstand leben zu dürfen. Dadurch fällt diesen Personen die Abgabe des «Herkunftspasses» vermutlich leichter. Aber ich glaube, dass sogar diese Menschen tief in ihrem Herzen auf irgendeiner Art und Weise mit dem Land, in dem ihre Wiege stand, ein Leben lang verbunden sein wer­- den (?).
Dass diese moralische Bindung gegenüber den «eigenen Wurzeln» und die damit verbundene Ablehnung der Passabgabe teilweise als «Rosinenpickerei» bezeichnet wird, finde ich unpassend. Zumal dadurch nichts Unattraktives generiert wird, das anderen überlassen wird. Doch eben, was ist optimaler, welche Werte sind Herzensangelegenheit und zählen in der heutigen Zeit?
Abschliessend wage ich zu be­haupten, dass ein Grossteil derjenigen Menschen, die diese Thematik tangiert, seit langer Zeit gut integriert in Liechtenstein lebt, sich durch ehrenamtliche Tätigkeit für die Allgemeinheit engagiert, sozusagen «die gleiche Sprache» (Kultur, Mentalität, Religion usw.) spricht und nicht auf Kosten des Staates lebt. Hätten es diese Leute z. B. nicht verdient, dass sie auf politischer Ebene die Zukunft ihrer Kinder, welche den Liechtensteiner Pass besitzen, mitgestalten?
Auch ich würde mich über eine doppelte Staatsbürgerschaft sehr freuen.

Carmen Sprenger-Lampert,
Landstrasse 333, Triesen

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